Willkommen in Schwerin, unserer geliebten Landeshauptstadt, in der selbst das Böse auf seine Eröffnung warten muss. Zwischen Werkzeugen, Holzbalken und Baustoffen hallen in diesen Tagen Stimmen durch die Räume in der Grevesmühlener Straße in Lankow. Dort, wo ab Herbst Besucher schreiend durch dunkle Gänge rennen sollen, wird derzeit noch gehämmert, gestrichen und improvisiert. Nur noch 17 Wochenenden bleiben den Organisatoren Alexander Lange und Danny Boldt, bis das Horror House Schwerin seine diesjährige Saison eröffnet.
Eigentlich sollte 2026 das größte Projekt der bisherigen Vereinsgeschichte werden. Geplant war ein Umzug in zusätzliche Räumlichkeiten, nahezu doppelt so viel Platz, neue Themenwelten, mehr Labyrinthe, mehr Schockmomente. Ein Konzept, an dem die Macher mehrere Wochen gemeinsam gefeilt hatten. Dann machte der Vermieter den Plan zunichte. Notwendige Bauarbeiten verzögerten sich Monat um Monat. Statt wie gewohnt im Frühjahr mit dem Ausbau zu beginnen, konnten die Veranstalter erst Anfang Juni richtig loslegen.
Das Konzept ist tot. Es lebe der Notfallplan.
„Wir hatten ein komplett neues Konzept ausgearbeitet und mehrere Wochen daran gesessen. Das müssen wir jetzt leider komplett verwerfen, weil wir es zeitlich einfach nicht mehr schaffen“, sagt Danny Boldt gegenüber dem Nordkurier. Aufgeben kommt für das Team trotzdem nicht infrage. Stattdessen wurde ein Notfallplan entwickelt. Und der hat es immerhin in sich.
„Ihr zahlt einmal Eintritt und bekommt zwei Erlebnisse. Man kann sich dort oder dort anstellen, wo die Schlange kürzer ist.“
Alexander Lange, Mitveranstalter Horror House Schwerin
Erstmals soll es zwei unterschiedliche Horrorwelten geben. Besucher können selbst entscheiden, welche Welt sie zuerst betreten. Das soll nicht nur für mehr Abwechslung sorgen, sondern auch die Wartezeiten verkürzen. Eine der Welten steht bereits fest: Unter dem Titel „Twisted Carnival – Circus of Freaks“ erwartet die Gäste ein düsterer Jahrmarkt voller schräger Gestalten und unheimlicher Überraschungen. Clowns, Labyrinthe und dunkle Gänge, das volle Programm, nur eben kompakter als ursprünglich geplant.
Schwerin, wie es leibt und lebt
Man könnte die Geschichte auch einfach stehen lassen, als nette Anekdote aus der Freizeitkultur einer Landeshauptstadt, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Aber genau das ist ja das Problem. Wer in Schwerin etwas auf die Beine stellen will, braucht vor allem eines: Nerven wie ein Clown aus dem Horror House. Wer in dieser Stadt eine Veranstaltung plant, muss sich darauf einstellen, dass Dinge, die anderswo selbstverständlich sind, hier zur Geduldsprobe werden. Bauarbeiter, die nicht fertig werden. Behörden, die nicht antworten. Vermieter, die Termine schieben. Am Ende steht man da, wirft alles hin und bastelt in 17 Wochenenden das, wofür man eigentlich ein Jahr gebraucht hätte.
Dass das Horror House-Team das trotzdem durchzieht, ist bewundernswert. Es ist genau die Art von Sturheit, die Schwerin braucht, und die die Stadt gleichzeitig so oft vermissen lässt. Während anderswo Initiativen an der ersten Hürde sterben, kämpfen sich diese beiden durch Baustaub und Zeitdruck und liefern am Ende doch ein Ergebnis. Nur eben nicht das, was sie ursprünglich versprochen hatten.
Die Besucher werden den Unterschied vermutlich gar nicht bemerken. Die einen werden schreien, die anderen lachen, manche werden weinen, je nach Schmerzgrenze. Und am Ende wird das Horror House Schwerin 2026 vermutlich genauso gut laufen wie in den Jahren zuvor, weil die Leute in dieser Stadt für ein bisschen Grusel zwischen Seen und Schloss immer zu haben sind. Was bleibt, ist das Gefühl, dass hier mal wieder viel mehr möglich gewesen wäre, wenn alle mitgezogen hätten.
Foto: cottonbro studio / Pexels
Quelle: Nordkurier
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