Willkommen in der Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs: Wenn die Sonne scheint, fährt der Zug einfach durch. Die Deutsche Bahn hat am Wochenende (27. und 28. Juni 2026) kurzerhand die Haltepunkte Schwerin-Süd und Holthusen gestrichen. Grund: Hitze.
Man stelle sich das einmal vor: Der Sommer in Mecklenburg-Vorpommern ist warm, die Sonne knallt auf den Bahnsteig, und plötzlich geht die Deutsche Bahn in den Klimaschutz-Modus. Nicht fürs Klima – für sich selbst. An den Stationen Schwerin-Süd und Holthusen gebe es „beim Umstieg keine Möglichkeiten, sich vor der Hitze zu schützen“, teilte das Unternehmen mit. Also hebt man die Züge kurzerhand auf und fährt sie nur noch bis zum Hauptbahnhof. Schwerin bleibt halt Schwerin: Wo andere Städte Klimaanlagen haben, hat die Bahn einen Fahrplan.
Bahn-Reisende dürfen sich auf Umsteigen freuen
Betroffen sind die Linien RE 1 (Hamburg–Schwerin–Rostock) und RE 8 (Wismar–Schwerin–Nauen–Berlin). Die Züge fahren durch, der Haltepunkt bleibt leer, und alle, die in Schwerin-Süd oder Holthusen einsteigen wollten, dürfen sich einen schönen Fußweg zum Hauptbahnhof gönnen – oder einen Bus, falls einer kommt. Der RE 8 zwischen Ludwigslust, Schwerin und Wismar ist nicht betroffen. Dort gibt es offenbar genug Schatten, Bäume oder pädagogisch wertvolle Gleichgültigkeit. Die Bahn rät Reisenden, sich „vor der Fahrt über ihre Verbindungen zu informieren“. Das ist in etwa so hilfreich wie der Hinweis, vor dem Schwimmen das Wasser zu prüfen – nur ohne Wasser.
„Es gibt keine Möglichkeiten, sich vor der Hitze zu schützen.“
– Deutsche Bahn, offiziell. Vermutlich zum ersten Mal in der Firmengeschichte wegen Sonnenschein am Limit.
Sommer in Mecklenburg-Vorpommern – ein ungewöhnliches Phänomen
Was hier nach Satire klingt, ist offizielle Mitteilung eines bundeseigenen Unternehmens: An heißen Tagen in Norddeutschland verzichtet die Bahn aufs Anhalten, wenn das Wartehäuschen fehlt. Wer in Schwerin-Süd wohnt, hat also ab sofort zwei Probleme: einen fehlenden Haltepunkt und einen fehlenden Schatten. Beides gleichzeitig zu lösen würde die Republik überfordern. Immerhin wissen wir jetzt, was Bahnkunden in Mecklenburg-Vorpommern vom Klimawandel haben: nichts. Außer einem Wochenende ohne Zug. Passend dazu: Auch beim Italo-Einstieg in den Schweriner Fernverkehr knirscht es ordentlich im Gebälk.
Foto: Robert Weemeyer / Wikimedia Commons / CC0
Quelle: NDR
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