Gesellschaft

Glücksatlas 2026: Erfurt vorn, Rostock hinten – und Schwerin? Zu klein für die Wertung

Während sich Erfurt dieser Tage als Deutschlands glücklichste Großstadt feiern lassen darf, kassiert Rostock den gegenteiligen Titel: Schlusslicht im aktuellen „Glücksatlas“ der Universität Freiburg. 23.000 Menschen wurden befragt, 40 Großstädte verglichen – und am Ende steht die Hansestadt ganz unten. Schwerin darf sich derweil entspannt zurücklehnen, denn die Landeshauptstadt taucht in der Wertung gar nicht erst auf. Mit ihren rund 96.000 Einwohnern ist sie schlicht zu klein für die Top-40-Liste der Republik.

Die Ironie könnte kaum größer sein: Während in Schwerin das politische Establishment jeden Tag aufs Neue darüber brütet, wie man die Stadt „attraktiver“ machen könnte, zeigt die Realität, dass die Probleme nicht zwingend an der Einwohnerzahl hängen. Rostock hat mehr als doppelt so viele Einwohner wie Schwerin – und trotzdem das schlechteste Lebensgefühl im ganzen Großstadtvergleich. Was sagt das über die Lebensqualität in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt aus? Offenbar nichts, was den Glücksatlas-Forschern ein Lächeln entlocken würde.

Erfurt, du Glückliche

Auf Platz eins der Erhebung steht die thüringische Landeshauptstadt Erfurt, gefolgt vom bayerischen Augsburg. Beide Städte punkten laut Studie mit einer überdurchschnittlich hohen allgemeinen Lebenszufriedenheit – was Experten unter anderem auf stabile Wirtschaftsstrukturen, gut ausgebaute Infrastruktur und ein funktionierendes Stadtleben zurückführen. Rostock hingegen kämpft seit Jahren mit Abwanderung, struktureller Arbeitslosigkeit und dem Image einer Stadt, die sich selbst aufgegeben hat. Die Kombination klingt nach einer Mischung, die in keinem Wohnungsmarkt-Report der Welt gut wegkommt.

„Erfurt? Ernsthaft? Die haben ja nicht mal einen Hafen. Wo soll denn da das Glück herkommen, wenn man nicht mal ’ne Fähre nach Dänemark schicken kann?“

— Erfundener Kommentar eines fiktiven Rostockers, Warnemünde

Schweriner Schadenfreude

In Schwerin nimmt man die Nachricht naturgemäß mit einer Mischung aus Schadenfreude und betroffenem Schweigen zur Kenntnis. Schadenfreude, weil der große Bruder an der Küste mal wieder eine schlechte Schlagzeile liefert. Betroffenes Schweigen, weil jeder im Schweriner Rathaus weiß, dass man bei einer Wertung mit knapp 97.000 Einwohnern vermutlich irgendwo zwischen „mäßig zufrieden“ und „kann man so sehen“ landen würde – wenn man überhaupt gefragt würde.

Stattdessen konzentriert man sich in der Landeshauptstadt lieber auf die wirklich wichtigen Dinge: Schlossgarten, Seerundgang, und die leise Hoffnung, dass die Glücksatlas-Wissenschaftler im nächsten Jahr vielleicht auch Städte unter 100.000 Einwohner mitmessen. Bis dahin gilt in der MV-Hauptstadt das einzig wirklich gültige Motto: Hauptsache, wir sind nicht Rostock.

„Wir in Schwerin sind sehr zufrieden mit unserem Leben. Besonders an regnerischen Dienstagen im November. Da merkt man erst, was man hat.“

— Fiktive Aussage einer erfundenen Schwerinerin, Bäcker in der Mecklenburgstraße

Die Studie wurde im Auftrag der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) erstellt und basiert auf einer repräsentativen Befragung von 23.000 Menschen in 40 deutschen Großstädten. Für Schwerin bedeutet das Ergebnis: nichts. Außer der beruhigenden Gewissheit, dass man auch im nächsten Jahr nicht in der Wertung steht – und deshalb offiziell niemand sagen kann, wie unglücklich die Landeshauptstadt wirklich ist. Man nennt das wohl: Glück im Unglück.

Foto: Radomianin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: SPIEGEL

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