Willkommen in Schwerin, wo der Sommer eine Überraschung ist. Mecklenburg-Vorpommern erlebt dieser Tage etwas, wofür das Land eigentlich nicht bekannt ist: Sonne. Richtig. Sogar 33 Grad werden am Freitag und Samstag erwartet – vor allem im Binnenland. Die Seenplatte, Teile der Landkreise Rostock und Vorpommern-Greifswald trifft es am härtesten. Die Landesregierung hat eine offizielle Warnung herausgegeben. Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) rief heute in Schwerin dazu auf, „sich bestmöglich auf die Hitze vorzubereiten“.
Wer in Mecklenburg-Vorpommern lebt, weiß: Das ist, als würde der ADAC vor Schnee in der Sahara warnen. Theoretisch möglich. Praktisch unrealistisch. Aber dieses Jahr ist es halt so. Der Landesdurchschnitt liegt bei rund 300 grauen Tagen im Jahr – die übrigen 65 muss man nehmen, wie sie kommen, selbst wenn man darauf nicht vorbereitet ist.
Drese erklärt das Trinken
Die Ministerin gab Tipps, die in jedem Reiseführer stehen: viel trinken, leichte Kost, keinen Alkohol. Erwachsene sollten zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zu sich nehmen, nicht eiskalt, sondern leicht gekühlt bis lauwarm. Auch wer keinen Durst verspürt, soll trinken. Was sie verschwieg: In weiten Teilen von Schwerin gibt es gefühlt genauso viele Biergärten wie Klimaanlagen – nämlich kaum welche. Und die Schwimmbäder sind am Wochenende ohnehin in zehn Minuten voll.
„Hohe Temperaturen können für ältere und pflegebedürftige Menschen gefährlich werden. Sie spüren Durst oft später oder gar nicht und ihr Kreislauf ist anfälliger.“
— Stefanie Drese, Gesundheitsministerin MV
Schwerin und die Hitze: Eine Hassliebe
Die Innenstadt heizt sich an einem 33-Grad-Tag auf wie ein Backofen. Die Marienplatz-Galerie, ohnehin schon das Klima-Wunder der Region, wird zur Sauna. Die Restaurants bleiben geschlossen – nicht aus Trotz, sondern weil die meisten um 21 Uhr sowieso zumachen. Was die Schweriner machen? Sie fahren an den Pfaffenteich, an den Schweriner See oder nach Zippendorf. Wer ein Auto hat, fährt raus. Wer keins hat, schwitzt.
Der ÖPNV bleibt währenddessen auf Kleinstadt-Niveau. Vier Straßenbahnlinien, 15-Minuten-Takt, abends kein Betrieb. Wer also nach Feierabend von der Arbeit kommt und in eine 33-Grad-Wohnung im dritten Stock des Großen Dreesch will, darf vorher noch eine Runde in der prallen Sonne warten, weil die Bahn wieder Verspätung hat. So sieht Klimagerechtigkeit in unserer Landeshauptstadt aus.
Die wahren Verlierer der Hitze
Was die Ministerin in ihrer Pressemitteilung nicht erwähnte: Die Hitze trifft die Schwächsten am härtesten – und in Schwerin gibt es überdurchschnittlich viele davon. Pflegeheime mit stickigen Zimmern. Plattenbau-Wohnungen, die im Sommer zur Sauna werden. Menschen ohne Vorgarten, ohne Balkon, ohne Schatten. Während die einen mit Blick auf den See schwitzen, schwitzen die anderen in der Weststadt zwischen Beton und Schlaglöchern. Auch das ist Landeshauptstadt.
Am Ende gilt: Übermorgen regnet es wieder, und Schwerin jammert über das Wetter. So wie immer. Aber für zwei Tage im Juni ist die Stadt plötzlich bunt, laut und voller Menschen, die nicht wissen, wohin mit sich. Man könnte meinen, das Land blüht auf. Wir wissen es besser.
Foto: Niteshift / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
Quelle: Regierung MV
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