Schwerin hat eine neue Hitzewallung-Offensive: Das für diesen Samstag (27. Juni) geplante Kinderfest in Friedrichsthal mit Flohmarkt fällt aus. Grund: Bis zu 38 Grad Celsius. Die Veranstalter von „Mehr Spaß für Kids“ e. V. sowie die Ortsteilvertretung Friedrichsthal verkünden das nach „sorgfältiger Abwägung“ – man wolle „kein gesundheitliches Risiko für Besucherinnen und Besucher, Helfer sowie alle weiteren Beteiligten eingehen“.
Wow. Sorgfältige Abwägung. Wegen ein bisschen Sommer. Als wäre ein Kinderfest ein Hochrisiko-Sport. Als wären Familien in Schwerin nur zwischen 18 und 22 Grad funktionsfähig. Als gäbe es keine Bäume, kein Wasser, keine Eisstände und keine Großeltern mit Fächern. (sommerhitze)
Schwerin: Die kälteste Hauptstadt im Hochsommer
Was als Vorsorge verkauft wird, ist in Wahrheit die Kapitulationserklärung einer Stadt, die sich offenbar nur bei Schmuddelwetter draußen wohlfühlt. Eine Hitzewelle ist in Schwerin offenbar ein Naturereignis, das den Veranstaltungskalender zusammenfaltet wie ein nasser Sonnenschirm. Statt das Fest zu verlegen, Schattenplätze zu schaffen, Wasserstationen aufzustellen, Kühlzelte zu organisieren – nein. Lieber ganz absagen. Veranstalter schauen jetzt auf 2027.
Man habe „kein geeignetes Zeitfenster“ gefunden. Wegen Sommerferien. Wegen Lärchenfest im September. Natürlich. In einer Stadt, in der das Wetter zwei Monate lang zur Ausrede wird, kann man ohnehin nur zwischen Mai und September überhaupt etwas planen – und davon geht auch noch die Hälfte für Ferien, Brückentage und „zu warm“ drauf.
„Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, da wir uns genauso wie viele Familien und Unterstützer auf das Fest gefreut haben. Dennoch halten wir eine Durchführung unter diesen Bedingungen für nicht vertretbar.“
— Organisationsteam „Mehr Spaß für Kids“ e. V.
Veranstalter wollen „Konzept weiterentwickeln“
Man wolle das Veranstaltungskonzept „weiterentwickeln, um künftig besser auf außergewöhnliche Wetterlagen wie die aktuelle Hitzewelle reagieren zu können“. Aha. Also statt einfach ein Fest zu feiern, lieber ein Strategiepapier schreiben. Das klingt nicht nach Friedrichsthal, das klingt nach einem Ministerium.
Während anderswo in Deutschland Familien bei 38 Grad in Freibäder strömen, Eisbuden Sturmumsatz machen und Schützenvereine ihre Königinnen trotz Hitze küren, sagt Schwerin: Geht nicht. Zu warm. 2027 dann. Vielleicht.
Foto: Mick Haupt / Unsplash
Quelle: Schwerin-Lokal
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