Wer in diesen Tagen am Schweriner Hauptbahnhof vorbeiläuft, wird feststellen: Der Brunnen auf dem Grunthalplatz macht Pause. Das Kunstwerk „Rettung aus Seenot“ – immerhin ein zentrales Willkommensritual für Zugreisende aus dem Süden – steht seit Tagen trocken, weil die Brunnenpumpe kaputt ist. Der städtische Eigenbetrieb SDS hat laut SN-Aktuell zwar bereits eine Ersatzpumpe bestellt, aber: Lieferung und Einbau dauern zwei bis drei Wochen. Man bittet „um Verständnis“.
Drei Wochen für eine Standardpumpe. Während die Bestellung bei jedem Online-Versandhändler binnen 24 Stunden im Paket liegt – inklusive Sendungsverfolgung und freundlicher Benachrichtigung – ordert eine Landeshauptstadt ein Ersatzteil und geht in eine dreiwöchige Sommerpause. Schwerin, so scheint es, hat die Langsamkeit zur kommunalen Kernkompetenz erklärt.
Wenn der Brunnen pausiert, pausiert die Stadt
Natürlich ist eine kaputte Pumpe kein Weltuntergang. Natürlich gibt es Wichtigeres als einen Springbrunnen. Aber genau darin liegt das Problem: Wenn selbst ein lächerlich simples Bauteil im Rathaus-Sortiment eine Vorlaufzeit von fast einem Monat hat, wie lange braucht die Verwaltung dann für Dinge, die tatsächlich wehtun? Eine kaputte Straße? Eine marode Schule? Einen Verwaltungsakt, der den Namen „bürgerfreundlich“ verdient?
Man stelle sich vor, was passiert wäre, wenn der Brunnen nicht „Rettung aus Seenot“ hieße, sondern „Rettung aus der Schweriner Verwaltung“. Dann hätte die Stadt vermutlich doppelt so lange gebraucht – allein für die Suche nach der zuständigen Stelle.
„Nach aktuellem Stand wird sie voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen geliefert und eingebaut.“ – SDS, auf die Frage, wann der Hauptbahnhofsbrunnen wieder sprudelt. (schwerin)
Bestellt ist noch nicht geliefert
Was wiegt eigentlich schwerer – die defekte Pumpe selbst oder die Tatsache, dass niemand auf den Gedanken kam, eine zweite Pumpe auf Halde zu legen? In jeder Tankstelle liegt ein Kanister Reservekraftstoff. In jedem Krankenhaus steht ein Notstromaggregat. In jeder Schwimmhalle müsste eigentlich eine Ersatzpumpe herumliegen. Aber in Schwerin muss man erst „bestellen“, wenn etwas kaputt geht. Und dann wartet man halt.
Immerhin: Der SDS hat Verständnis gebeten. Bleibt zu hoffen, dass das Wasser bis zur nächsten Hitzewelle zurück ist. Falls nicht, dürfen sich Touristen künftig die Schweriner Seen direkt auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs anschauen – trocken, versteht sich.
Foto: Hugh Venables / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Quelle: SN-Aktuell
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