Schwerin/Magdeburg – Die Nachricht klingt erstmal wie ein Grund zum Feiern: Am 29. Juni 2026 wird der nächste Abschnitt der A14-Nordverlängerung freigegeben. Zwischen Lüderitz und Stendal-Süd rollt der Verkehr dann auf rund 14 Kilometern neuer Trasse – fast 70 der insgesamt 155 Kilometer zwischen Magdeburg und Schwerin sind damit laut Autobahn GmbH befahrbar. Baustart war 2011. Fünfzehn Jahre, und die Lücke ist immer noch nicht zu.
Während Sachsen-Anhalt seinen neuen Streckenabschnitt feiert, sitzen die Pendler aus Schwerin weiter in der B5 fest oder wählen den Umweg über die A24 und die A7, um nach Sachsen-Anhalt zu kommen. Die Landeshauptstellung des Landes, das seit Jahren auf den Durchbruch wartet, liegt am nördlichen Ende einer Baustelle, die gefühlt länger dauert als die chinesische Mauer.
MDR und Autobahn GmbH mit unterschiedlichen Zeitplänen
Beim genauen Hinschauen zeigt sich das gewohnte Bild: Die einen feiern, die anderen warten. Der MDR berichtet, dass die Freigabe am 29. Juni fix ist – gleichzeitig wird in Wolmirstedt aber auch vor Verschiebungen gewarnt. Der Landrat erfuhr seinen Termin offenbar aus der Presse, was einmal mehr zeigt, wie die Kommunikation zwischen Bund, Land und Kommune bei solchen Großprojekten läuft: Jeder redet, keiner weiß Bescheid.
„Fünfzehn Jahre Bauzeit, 155 Kilometer, und wir freuen uns über jeden einzelnen Streckenabschnitt wie über ein Wunder. Das ist deutsche Infrastruktur-Politik im 21. Jahrhundert.“
Schwerin als geduldiges Endstück
Die Wahrheit ist: Für Schwerin ändert sich durch die Freigabe am Montag so gut wie nichts. Die Pendler Richtung Süden bleiben weiter auf der B5, der L169 oder dem mühsamen Weg über die A24 kleben. Die Nordverlängerung endet am Kreuz Schwerin – irgendwann, wenn überhaupt. Die Planungen der Ostsee-Zeitung zufolge ist der letzte Abschnitt Osterburg–Seehausen erst 2030 oder 2031 dran – falls nichts dazwischenkommt. Und bei diesem Projekt kommt erfahrungsgemäß immer etwas dazwischen.
So bleibt Schwerin das, was es seit 15 Jahren ist: das geduldige Endstück einer Autobahn, die sich durch Wind, Wetter und politische Halbherzigkeit kämpft. Die Landeshauptstadt des Nordostens bleibt vom schnellen Weg nach Süden abgeschnitten – und übt sich in der Disziplin des Wartens. Wenn das kein Grund für ein Bürgerfest ist, was dann?
Foto: Oliver Schröder / Pexels
Quelle: MDR
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