Willkommen in der Landeshauptstadt. Wo andere Städte vielleicht einfach ein Sommerfest auf die Beine stellen, braucht Schwerin eine Stadtwette, eine Choreografie zu Boom Schakkalakka und ein ganzes Aufgebot an Maskottchen, um sich selbst zu feiern. Am vergangenen Wochenende verwandelten sich der Zippendorfer Strand und die Insel Kaninchenwerder in das, was sie angeblich immer sein sollen: ein Aushängeschild der Stadt. Mit Hitzerekord, acht tanzenden Plüschtieren und dem Versprechen, dass die schwimmende Eisdiele auf der Insel ab sofort der Sommer-Hotspot sei. Alles also wie immer.
Veranstaltet wurde das Stadtwerke-Strandfest traditionell von den Stadtwerken Schwerin und der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, also genau jenen beiden Institutionen, die in dieser Stadt am ehesten dafür bekannt sind, dass sie funktionieren. Die Stadtwette selbst war ungewöhnlich ambitioniert: Acht Stadtmaskottchen mussten gleichzeitig auf die Bühne und zu einem Gute-Laune-Song tanzen. Sie taten es. Zur Belohnung durfte das Childhood House eine Spende entgegennehmen, deren Höhe am Ende niemand so genau beziffern konnte. Kinderheime also. Gefördert durch Maskottchen-Tanz. So sieht moderne Schweriner Wohlfahrtspflege aus.
Der stellvertretende Oberbürgermeister informiert
Was wäre ein Schweriner Fest ohne die obligatorische politische Bühne? Bernd Nottebaum, seines Zeichens Interims-OB und damit Herr über alle wichtigen Baustellen, nutzte die Gunst der Stunde für eine kleinere Welterbe-Update-Konferenz. Man habe, so ließ er verlauten, vergangene Woche die QR-Codes an alle 38 Gebäude des Schweriner Welterbes gehängt. Damit der Tourist die Schweriner sehen könne, sagte er wörtlich. Tourist sieht Schweriner. QR-Code. Geschichte. Das ist in etwa der Innovationsgrad, den man von einer Landeshauptstadt mit knapp 100.000 Einwohnern erwarten darf, die seit Jahrzehnten vom selben Schloss lebt.
Wir haben dieses Jahr schon viele gute Veranstaltungen gehabt. In Kürze kommt der Gourmetgarten, dann steigern wir uns nochmal mit Weinfest und Altstadtfest, darauf können sich alle Schweriner freuen.
Bernd Nottebaum, stellvertretender Oberbürgermeister
Auch Hanno Nispel, Geschäftsführer der Stadtwerke, lieferte die obligatorische Pathos-Dosis: Wir sehen die Insel, wir sehen den Strand, wir sehen das Fest, und wir möchten so einfach Danke Schwerin sagen. Fünfmal sehen in einem Satz. Man kann das Statement auch so lesen, dass Veranstalter wie Stadt in Schwerin vor allem eines gut können: sich selbst feiern. Wenn die Auslastung der Straßenbahnen ähnlich beeindruckend wäre wie die Dankbarkeit auf der Bühne, stünde die NVS vermutlich kurz vor dem Börsengang.
Kaninchenwerder, die schwimmende Eisdiele und der Blick nach vorn
Der Rest war dann tatsächlich das, was Schwerin an solchen Wochenenden am besten kann: Funktionierende Familienunterhaltung. Das Neptunfest fand erstmals unter dem Schirm an der großen Bühne statt, das Kinderland lockte mit Hüpfburg, Trampolin und Kletterturm, die Energie-Arena zeigte Beachhandball und Boxen am Strand. Die Fähre nach Kaninchenwerder pendelte im Stundentakt, der neue Inselpächter stellte seine schwimmende Eisdiele vor, und das traditionelle Kräuterbrot vom Inselbäcker durfte natürlich nicht fehlen. Alles wie immer, alles solide, alles nett. Aber wer den Zippendorfer Strand schon mal außerhalb eines Festes erlebt hat, der weiß: An normalen Wochenenden sieht es hier vor allem nach Leere aus.
Wenn Nottebaum jetzt schon den Gourmetgarten, das Weinfest und das Altstadtfest als kommende Höhepunkte verkauft, darf man das als das lesen, was es ist: Eine Stadt, die ihren Sommer an drei Veranstaltungen aufhängt und das restliche halbe Jahr über die Tatsache hinwegkommmentiert, dass das Stadtfest seit Jahren nicht stattfindet, der Marienplatz am Abend eher Geisterstadt als Flaniermeile ist und eine Innenstadt nach 18 Uhr gefühlt evakuiert wirkt. Aber immerhin: Es gibt eine schwimmende Eisdiele. Und die Maskottchen können tanzen. Das ist doch auch was.
Foto: Tozina / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Quelle: Nordkurier
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