1,50 Euro pro Stunde. Soviel soll demnächst das Parken am Radsportzentrum am Lambrechtsgrund in Schwerin kosten. Die Stadtverwaltung will damit die Betriebs- und Unterhaltskosten der Fläche decken. Klingt erstmal nach normaler Parkraumbewirtschaftung – wäre da nicht ein winziges Problem: Auf dem Parkplatz stehen nicht nur Besucher und Dauerparker, sondern auch die Autos von Menschen, die dort unentgeltlich Kinder trainieren.
Ehrenamtliche Trainer, Übungsleiter, Vereinsfunktionäre. Leute, die abends um 18 Uhr rausfahren, um Kindern das Radfahren beizubringen – und dafür nichts verlangen. Gar nichts. Null. Genau diese Leute sollen nach dem Willen der Verwaltung jetzt also einen Parkschein ziehen. Fürs Helfen. Fürs Dasein. Fürs Ehrenamt.
Stadtsportbund: „Das ist falsch“
Dirk Pollakowski, Geschäftsführer des Stadtsportbunds Schwerin, hält das denn auch für den falschen Weg. Wenn die Stadt Parkgebühren auf der Fläche am Radsportzentrum erhebt, dann müssten am Ende diejenigen zahlen, die dort ihre Freizeit für den Nachwuchs opfern. Die Fraktion von Unabhängigen Bürgern und FDP hat deshalb einen Ergänzungsantrag eingereicht: Ehrenamtlich Tätige sollen ausgenommen werden. Gebühr nur für Besucher und Dauerparker. Klingt vernünftig. Klingt nach Minimalstandards einer Stadt, die sich nicht komplett lächerlich machen will.
„Dann müssten nämlich auch die ehrenamtlichen Trainer, Übungsleiter und Vereinsfunktionäre zahlen, um dort zu arbeiten.“
— Dirk Pollakowski, Geschäftsführer Stadtsportbund Schwerin
Schweriner Gebührenkultur: Erst Wohnen, jetzt Ehrenamt
Was hier passiert, ist konsequent: Schwerin hat in den vergangenen Jahren eine beispiellose Gebührenkultur aufgebaut – Parkraumbewirtschaftung hier, Anwohnerparkausweise da, steigende Hundesteuer, höhere Kitagebühren. Immer unter dem Deckmantel der Kostendeckung. Immer mit der gleichen Logik: Wer die Stadt nutzt, zahlt. Dass damit am Ende auch die getroffen werden, die das Ehrenamt in dieser Stadt überhaupt noch am Laufen halten, ist offenbar ein Kollateralschaden, den die Verwaltung in Kauf nimmt.
Am Donnerstagabend tagt der Ausschuss der Stadtvertretung im Stadthaus. Dann wird sich zeigen, ob die Politik den Antrag der UBF und FDP unterstützt – oder ob die Stadtverwaltung ihren Kurs durchzieht und am Ende der Ehrenamtliche das Honorar für seine unbezahlte Arbeit selbst bezahlt. In Form von Parkgebühren. In Schwerin. Wo sonst.
Foto: Mateus2019 / Wikimedia Commons / CC BY 3.0 DE
Quelle: NDR
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