Judith Pein und Michael Petre heißen sie. Zwei Schweriner Para-Schwimmer, die beim Weltcup in Berlin nicht untergegangen sind. Die junge Frau hat sogar die B-EM-Norm geknackt. In ihrer Wohnzimmerstadt, wo sonst eher das Altkleider-Spendenhaus oder der neue Drogeriemarkt für Aufsehen sorgen, ist das eine Meldung, die man fast übersieht. Zu unrecht.
Auf dem Weg nach oben, aber keiner schaut hin
Judith Pein (Jahrgang 2008) ist eine Schwimmerin der Klasse 14, also mit einer intellektuellen Beeinträchtigung. Beim Weltcup in Berlin schwamm sie über 100 Meter Brust eine Zeit von 1:27,80 Minuten – und knackte damit die B-EM-Norm von 1:27,89. Das ist nicht irgendeine Norm, das ist die Qualifikation für die Internationalen Deutschen Meisterschaften, wo die Tickets für Team Deutschland vergeben werden. In ihrem Jahrgang. Mit einer Bestzeit von 1:25,48 Minuten von den European Youth Para Games in Istanbul. Silbermedaille. Damals.
„Bei den IDM könnte sie in den Bereich von 1:26 Minuten kommen“, sagte ihr Trainer Dirk Mau nach dem Weltcup-Auftritt.
Michael Petre (2009) steigerte sich über 100 Meter Freistil um drei Sekunden auf 1:19,23 Minuten. Über 50 Meter Schmetterling wurde er Fünfter im Jugendfinale. Und auch er trainierte nicht in irgendeinem Hinterhof-Bad, sondern im Leistungszentrum Potsdam. Zwei Talente aus Schwerin, die sich für die große Sportbühne empfehlen. Und die Stadt? Wartet noch darauf, dass irgendjemand einen Blick darauf wirft.
Was Schwerin mit diesem Erfolg anfangen könnte
Wenn in Schwerin ein Hund einen Kinderwagen umrennt, steht das in der SVZ. Wenn zwei Nachwuchs-Athleten auf internationaler Bühne für das Land schwimmen, gibt es einen Fünfzeiler im Lokalteil. Das liegt nicht an den Athleten. Das liegt daran, dass Schwerin offensichtlich nicht weiß, was es mit guten Nachrichten anfangen soll. Vielleicht braucht es ein Ministerpräsidenten-Besuch beim nächsten Weltcup. Oder eine Rede im Landtag. Oder einfach nur: Anerkennung.
Übrigens: Zwei Schweriner schwimmen auf Weltcup-Niveau, aber die Stadt diskutiert lieber über das Siebendörfer Moor. Aber hey, das Moor ist auch eine Geschichte.
Foto: John Sherwell / Wikimedia Commons
Quellen: Nordkurier
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