Gesellschaft

WhatsApp statt Bierkrug: Wie Kevin die Schweriner Weststadt per Ping-Ping zusammenbringt

Schwerin ist Geil — Früher hat Kevin Schmidt Stadtpläne studiert. Heute studiert er seine Nachbarschaft. Und die ist schon ziemlich alt. In der Schweriner Weststadt leben so viele betagte Senioren wie in kaum einem anderen Stadtteil. Nicht wenige sitzen allein in ihrer Wohnung und fühlen sich einsam. Kevin weiß das. Denn er ist seit fast einem Jahr Quartiersmanager im Viertel. Sein erster Job nach dem Stadtplanung-Studium in Detmold.

Der Weststadtfunk: 299-mal WhatsApp

Jeden Morgen läuft der 27-Jährige durch die Weststadt zu seinem Büro im Nachbarschaftstreff des Vereins „Hand in Hand“ in der Lessingstraße. Der Verein wurde 1998 gegründet. „Er ist so alt wie ich“, sagt Kevin und grinst. In den Treff kommen die Menschen, die er mit seinem „Weststadtfunk“ aus ihren vier Wänden lockt.

Die meisten Menschen haben WhatsApp, auch ältere Leute. Das Problem ist nur: Wie findet man den Kanal? Deshalb braucht man erst einen QR-Code.

— Kevin Schmidt, Quartiersmanager

Der „Weststadtfunk“ ist ein WhatsApp-Kanal, den Kevin Anfang des Jahres gestartet hat. Inzwischen hat er fast 300 Follower. Für Kevin ist der Kanal ein wichtigstes Werkzeug. Wer ihn abonniert, bekommt alles mit, was im und um den Treff passiert. Auch die klitzekleinen Dinge. Den Kaffeeklatsch. Die Trauergruppe. Den Geschichtsvortrag. Die Inkontinenz-Beratung. Das gemütliche Tanzen. Den Start der Wandergruppe.

Was kommt auf den Kanal?

Alles, was im Stadtteil los ist. Das Nachbarschaftsfest im Schulgarten der John-Brickman-Schule. Den Flohmarkt. Die Sonderveranstaltung im Flippermuseum. Das Insektenhotel-Bauen im Jugendtreff „Westclub One“. Kevin teilt Event um Event auf dem Weststadtfunk.

„Bisher sind es vor allem ältere Frauen, die sich in den Nachbarschaftstreff trauen“, sagt Kevin. „Bei den Herren arbeiten wir dran.“ Ein ehrliches Geständnis von jemandem, der weiß, dass der Kampf gegen die Einsamkeit der älteren Generation kein Sprint ist, sondern ein Dauerlauf mit Pause am Kaffeetisch.

Bisher sind es vor allem ältere Frauen, die sich in den Nachbarschaftstreff trauen. Bei den Herren arbeiten wir dran.

— Kevin Schmidt

Draußen vor seinem Fenster steht ein Aufsteller mit Veranstaltungshinweisen. Aber wer läuft schon täglich am Nachbarschaftstreff vorbei? Über den „Weststadtfunk“ erreicht Kevin einen viel größeren Teil der Weststädter. Direkt in der Hosentasche. Im Kleingarten. Wo auch immer.

Schwerin ist Geil. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Kevin und sein Weststadtfunk sind der Beweis, dass man auch im digitalen Zeitalter Gemeinschaft bauen kann. Mit einem WhatsApp-Kanal und einem QR-Code. Und der Erkenntnis, dass einsame Menschen nicht immer den ersten Schritt machen. Aber wenn man ihnen den Kanal direkt in die Hosentasche legt, dann kommen sie vielleicht doch.

Foto: viarami / Pixabay

Quelle: Nordkurier

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