Die Waschbären in Mecklenburg-Vorpommern machen, was Invasive Arten halt so machen: Sie breiten sich aus. Die Population wächst. Die Jagdzahlen steigen. Und das Umweltministerium des Landes — ja, genau das, das die Dinger ursprünglich mal nicht hier haben wollte — finanziert jetzt aktiv die Bejagung mit. Man kann das als konsequentes Naturschutzmanagement interpretieren. Oder als Kapitulation mit Steuergeldern.
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22.000 Gründe, warum Prävention überbewertet wird
Im Jagdjahr 2023/24 wurden knapp 22.000 Waschbären erlegt. Das ist ein Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Umgerechnet auf die Fläche des Bundeslandes ergibt das eine Waschbär-Dichte, die selbst bei den Tieren für Aufenthaltsbeschränkungen sorgen würde, wenn sie denn dürften. Stattdessen besiedeln sie Wälder, landwirtschaftliche Flächen und urbane Räume gleichermaßen. Ein Schild, das „Hier gilt Bettwäsche nicht“ trägt, sucht man in Schweriner Parkanlagen noch vergebens.
Ziel ist es, die Population zu regulieren und heimische Arten zu schützen, heißt es aus dem Ministerium. Man wolle „den Fressdruck“ reduzieren. Klingt professionell. Klingt auch ein bisschen nach dem Moment, in dem der Hund den Hasen selbst jagen muss, weil das Herrchen die Leine losgelassen hat.
Denn natürlich steht die Frage im Raum, warum die Tiere überhaupt in dieser Anzahl hier sind. Die Antwort ist so simpel wie unangenehm: weil sie sich wohlfühlen. Zu viel Wald. Zu viele Dachböden. Zu wenig natürliche Feinde. Und eine Behördenlandschaft, die mit dem Thema erst anfängt, als es schon zu spät war. Das ist nicht mal unbedingt Schuld der Landesregierung. Das ist das klassische MV-Problem: Man reagiert auf Probleme, statt sie zu antizipieren. Dafür fehlt in Schwerin dann doch das Personal. Oder die Zeit. Oder die Priorität. Vermutlich alles drei.
Sumpfschildkröte und Amphibien: Die Leidtragenden des Waschbär-Booms
Besonders betroffen sind laut Fachleuten die Europäische Sumpfschildkröte sowie verschiedene Amphibien- und Vogelarten. Die Waschbären fressen Gelege, schlüpfen in Brutstätten und machen sich über alles her, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Das Ministerium spricht von „Fressdruck“. Das ist ein schönes Wort. Es klingt nach Management und Kontrolle. Es klingt nicht danach, dass man dabei zusieht, wie eine Art die andere verdrängt, und dann mit dem Geld der Steuerzahler versucht, den Schaden wieder einzufangen.
Der Deutsche Jagdverband sieht eine anhaltende Ausbreitung, insbesondere im Nordosten und in der Mitte Deutschlands. Waschbären gelten als anpassungsfähig und besiedeln sowohl Wälder als auch landwirtschaftlich geprägte und urbane Räume. Das klingt nach Erfolgsgeschichte. Je nach Perspektive.
In Schwerin selbst hat man das Problem noch nicht ganz so dramatisch. Aber die Umlandgemeinden melden zunehmend Konflikte. Waschbären in Gartenhäusern. Waschbären in Dachböden. Waschbären, die den Eindruck machen, als wüssten sie genau, dass niemand so recht zuständig ist. Und genau das ist wahrscheinlich das Wahrste an der ganzen Geschichte: Die Tiere haben verstanden, was auch der Rest von MV langsam begreift. Hier kümmert sich gerade genug jemand irgendwo drum. Nur nicht immer um das Richtige. Nicht immer rechtzeitig. Und selten mit der Konsequenz, die nötig wäre.
Von daher: Weiter so. 22.000 Tiere im Jahr erlegt, eine wachsende Population, ein Ministerium, das mit Fördergeldern hantiert, und eine Sumpfschildkröte, die sich fragt, ob sie nicht besser woanders hingezogen wäre. Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier fühlen sich Invasive willkommen. Die Einheimischen nicht immer.
Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)
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