Gesellschaft

Voll Horst: Schweriner Polizei schließt Spätis an Himmelfahrt – weil die gar nicht wussten, was sie falsch machen

Es war ein Hoch auf christliche Traditionen und patriarchale Strukturen. Himmelfahrt. Viele machten frei, viele betranken sich, und die Schweriner Polizei hatte scheinbar nichts Besseres zu tun, als Spätis zu kontrollieren. Das Ergebnis: Zwei Ordnungswidrigkeitenanzeigen, weil zwei Geschäfte nach einer Aufforderung erneut geöffnet hatten. Die Empörung im Internet war groß. Zu Recht?

Christliche Feiertage in der Landeshauptstadt: Wo die Polizei lieber Spätis schikaniert, anstatt真正意义上的 Verbrechensbekämpfung zu machen

Die Kontrollen fanden im Rahmen des Herrentagseinsatzes statt – einem Tag, an dem sich deutschlandweit Horden von Männern in absurden Kostümen die Birne vollschlagen und dann in der Innenstadt rumgrölen. Da muss die Polizei natürlich Präsenz zeigen. Und was eignet sich besser als die Kontrolle von Spätis, die angeblich gegen die Öffnungszeitenverordnung verstoßen haben?

„Ey, ich hab doch gar nicht gewusst, dass das nicht darf. Hier steht doch nie jemand vor der Tür, der mir das erklärt. Und dann kommen die Bullen und meinen, ich soll um 21:30 schließen, obwohl ich gerade Umsatz mache.“

Das ist die Realität in Schwerin. In einer Stadt, in der die Lokalpolitik seit März 2026 eine neue Öffnungszeitenverordnung hat, die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen zwischen 11:30 und 19 Uhr für bis zu sechs Stunden öffnen dürfen. Die Stadt behauptet, alle Einzelhändler informiert zu haben. Die Späti-Betreiber behaupten das Gegenteil. Irgendjemand lügt hier. Und es ist nicht schwer zu erraten, wer.

Denn seien wir ehrlich: In einer Stadt wie Schwerin, in der die Innenstadt seit Jahren stirbt, in der jeder vierte Laden leer steht und in der die Kommunalpolitik lieber über Radwege debattiert, anstatt sich um die realen Probleme der Händler zu kümmern – da ist es schon fast zynisch, wenn die Polizei an einem Feiertag Spätis kontrolliert, statt sich auf die tatsächliche Kriminalität zu konzentrieren.

Die Stadt Schwerin betont, der Kommunale Ordnungsdienst sei nicht an den Kontrollen beteiligt gewesen. Als ob das die Sache besser machen würde. Im Gegenteil: Wenn die normale Polizei schon so viel Kapazität hat, dass sie an Himmelfahrt Spätis kontrollieren kann, dann fragt man sich doch, warum sie nicht auch für andere Dinge zuständig ist. Zum Beispiel für die Verbrechensbekämpfung. Oder für die Verkehrsüberwachung. Oder für irgendetwas anderes, das tatsächlich der Bürgerlichkeit dient.

Die Spätis in der Werderstraße und anderswo haben natürlich geschlossen – nach der zweiten Aufforderung. Nicht freiwillig, sondern weil sie keine Lust auf eine weitere Ordnungswidrigkeitenanzeige hatten. Denn die Kosten für einen solchen Verstoß können happig sein. In einer Stadt, in der jeder Euro zählt, ist das keine Kleinigkeit.

Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack: Die Polizei hat an einem Tag, an dem eigentlich jeder Feierlaune haben sollte, lieber Spätis schikaniert, anstatt den Herrentag ordnungsgemäß zu überwachen. Und die Stadt Schwerin versteckt sich hinter einer Öffnungszeitenverordnung, die niemand versteht und die offensichtlich nicht richtig kommuniziert wurde. Das ist nicht nur schlecht für die Spätis-Betreiber, sondern auch für das Image der Stadt. In einer Zeit, in der Schwerin versucht, sich als lebenswerte Landeshauptstadt zu positionieren, ist das kontraproduktiv.

Foto: Nick-D / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 Quelle: Schwerin-Lokal (SNO)

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