Kultur

Theater ist Schule: Wenn MV Bildungsministerium und Staatstheater sich einig sind

Zum neuen Schuljahr startet das Bildungsministerium gemeinsam mit dem Mecklenburgischen Staatstheater das Modellprojekt „Theater ist Schule“ an den Theaterstandorten Schwerin und Parchim. Ministerium und Theater arbeiten also zusammen. In einer Region, in der Kooperation zwischen staatlichen Einrichtungen normalerweise an Zuständigkeitsgerangel, Haushaltsdebatten und grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten scheitert. Das ist — man muss es anerkennen — schon mal etwas. Auch wenn es nicht besonders viel ist.

Schulen und Theater: Zwei Welten, eine Idee

Die Idee dahinter ist, dass Theater und Schule sich nicht ausschließen. Dass man auf einer Bühne stehen und dabei gleichzeitig etwas über Sprache, Geschichte und soziale Kompetenz lernen kann. Das klingt nach einer Erkenntnis, die in jeder freien Kunstschule seit Jahrzehnten zum Alltag gehört. Gut, dass das Land jetzt auch darauf kommt. Wenn auch nur an zwei Standorten. Und wenn auch nur als Modellprojekt. Und wenn auch nur, wenn alles gut geht.

Schwerin und Parchim. Nicht Sternberg. Nicht Demmin. Nicht Stralsund. Schwerin und Parchim. Das ist — und das muss man so deutlich sagen — eine Auswahl, die zeigt, wo die Prioritäten liegen. In den Städten, die bereits über eine gewisse kulturelle Infrastruktur verfügen. Nicht dort, wo sie am meisten gebraucht würde. Nicht dort, wo Kinder und Jugendliche sonst wenig Zugang zu kultureller Bildung haben.

Denn die Realität in weiten Teilen von MV ist: Wer auf dem Land lebt, hat wenig Zugang zu Theater. Wer in einer kleineren Gemeinde aufwächst, hat selten die Möglichkeit, auf einer echten Bühne zu stehen. Die Schulen dort haben andere Probleme — personeller Art, finanzieller Art, infrastruktureller Art. Dass ausgerechnet diese Standorte nicht Teil des Modellprojekts sind, sagt viel über die Prioritäten der Landespolitik. Und wenig über den tatsächlichen Bildungswillen.

Modellprojekt als Alibi

Denn wenn man ehrlich ist, dann ist das hier ein klassisches MV-Alibi-Projekt. Man tut etwas — und zwar nicht nichts — aber man tut es an den Stellen, an denen es ohnehin funktioniert. Und dann zeigt man damit, dass man sich kümmert. Die Landesregierung kann in Zukunft sagen: Wir haben ein Projekt für Theater und Schule. Die Schulen in Schwerin und Parchim können sich glücklich schätzen. Alle anderen können sehen, wo sie bleiben.

Ein wirklich mutiges Projekt wäre es, das Theater in die Schulen zu bringen, die keinen regulären Zugang dazu haben. Dorthin, wo die Bühne fehlt. Dorthin, wo die Lehrkräfte fehlen. Dorthin, wo die Kinder sind. Das wäre eine Investition in die Zukunft des ländlichen Raums. Das wäre ein echtes Modellprojekt. Das hier ist eher eine PR-Maßnahme mit kulturellem Anstrich. Gut gemeint. Aber nicht gut genug.

Theater ist Schule. Eine schöne Überschrift. Ein wichtiges Thema. Eine Chance, die MV leider wieder nur zur Hälfte nutzt. Wie immer. Wie überall. Aber hey. Wenigstens redet man drüber. In Schwerin und Parchim. Da. Genau da. Wo es ohnehin schon passiert.

Quellen: Regierung MV

Zur Erinnerung: Landespolitik und Machtspiele in MV – Theater ist Schule

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