Gesellschaft

Tag des Lokaljournalismus: Ohne lokale Berichterstattung steigt die Korruption – und keiner zahlt dafür

Schwerin. Heute ist Tag des Lokaljournalismus. Zeit, mal darüber nachzudenken, was passiert, wenn in einer Region keine Lokalzeitung mehr existiert. Die Antwort: Korruption steigt, Polarisierung nimmt zu, und niemandem fällt es auf, bis es zu spät ist. Aber gut, das interessiert ja auch niemanden, solange der Instagram-Feed funktioniert.

SVZ verkauft, Nordkurier unter Schwäbischem Verlag – MV hat ein Medienproblem

Mecklenburg-Vorpommern hat ein Medienproblem. Die Schweriner Volkszeitung (SVZ) wurde verkauft, heute gehört sie zum Schwäbischen Verlag – genau wie der Nordkurier. Die Ostsee-Zeitung gehört zur Madsack-Mediengruppe. Heißt: Zwei große private Player teilen sich das Land. Das ist keine Konzentration mehr, das ist eine Monopolisierung mit zwei Anbietern. Oder wie es Medienexperten nennen: „Problematisch.“

„Ohne Lokaljournalismus könnte eine Gesellschaft nicht funktionieren“, sagt der Nordkurier-Chefredakteur Gabriel Kords. Er ist sich „relativ sicher“, dass sein Geschäftsmodell „auch über die kommenden Jahrzehnte tragen“ werde. Relativ sicher. So wie „Ich bin mir relativ sicher, dass mein Auto morgen noch anspringt“ – bevor die Batterie dann doch leer ist.

Das Gegenmittel: NDR. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk versorgt das Land mit Nordmagazin, Radio MV und Online-Angeboten. Allerdings: Der NDR ist nicht vor Ort. Der NDR berichtet über die Region, aber selten über die Straße. Der Lokaljournalismus der Privaten – Nordkurier, SVZ, Ostsee-Zeitung – sitzt in den Städten und Dörfern. Wenn die wegbrechen, bleibt nur der NDR. Und der hat nicht genug Reporter für jeden Hinterhof.

„Ich brenn‘ einfach dafür“ – aber das zahlt keine Miete

Antje Rußbüldt hat das Online-Magazin „Wir sind Müritzer“ gegründet. Finanziell über Werbung und Anzeigen. „Ich brenn‘ einfach dafür“, sagt sie. Schön. Aber „brennen“ zahlt keine Miete, keine Krankenkasse, keine Steuerberaterkosten. Wer in MV Lokaljournalismus machen will, braucht entweder einen großen Verlag im Rücken oder sehr viel Idealismus. Beides ist endlich.

Die Abo-Zahlen sinken überall. Die Printmedien kämpfen mit Online-Angeboten, Podcasts und Videos. 31 Lokalredaktionen von Nordkurier, SVZ und Ostsee-Zeitung gibt es noch im Land – auf einem Gebiet, größer als das gesamte Schleswig-Holstein. Das ist viel. Oder zu wenig. Je nach Perspektive.

Fazit: Ohne Lokaljournalismus steigen Korruption und Polarisierung. Das weiß jeder. Bezahlen will es niemand. Die Leser nicht, die Inserenten nicht, der Staat nicht. Also machen Idealisten wie Rußbüldt weiter – ohne Garantie, dass es nächstes Jahr noch ein Magazin gibt.

Bild: Internet Archive Book Images / Wikimedia Commons

Quellen: NDR MV, Reuters

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