Gesellschaft

Schweriner Zoo verschenkt Jahreskarten: Wenn eine städtische Einrichtung Tickets an eine andere städtische Einrichtung verschenkt, ist das eine Charity-Offensive

Schwerin — Der Schweriner Zoo hat eine Initiative gestartet, die locker als Vorbild für ganz Deutschland taugt — zumindest redet man sich das ein. Der Zoo, eine Einrichtung der Landeshauptstadt mit knapp 96.000 Einwohnern, verschenkt ab sofort flexible Jahreskarten an das Jugendamt. Für die Vormünder von 140 Kindern und Jugendlichen. Damit diese auch ja’mal was Schönes erleben dürfen. Und jetzt kommt’s: Das wird als riesengroßes Thema gefeiert.

Landeshauptstadt entdeckt Soziales: «Schön, wenn es so möglich ist»

Zoodirektor Dr. Tim Schikora sagt dazu: «Umso schöner, wenn es so möglich ist, benachteiligten Kindern Unterstützung zu bieten.» Danke, Herr Dr. Schikora. Für das tiefe Durchdringen der sozialen Problematik dieser Stadt.

Immerhin: Das Jugendamt betreut in Schwerin derzeit 140 Kinder und Jugendliche. Fünf Amtsvormünder. Offenbar alle mit massivem Budget-Stretching beschäftigt. Aber hey, eine Jahreskarte für den Zoo — jetzt können die Kinder wenigstens Pandas gucken, während ihre Aktenlage ungelöst vor sich hin dümpelt.

«Der Zoo ist eine Einrichtung der Landeshauptstadt, und daher ist eine enge, unbürokratische Zusammenarbeit über die jeweiligen Arbeitsbereiche hinweg, für uns selbstverständlich», sagt der Zoodirektor. Und klingt dabei ungefähr so begeistert wie jemand, der seinem Betrieb einen Kaffeeautomat leiht.

Nicht mal eigenes Personalbudget für Zoo-Tickets

Was hier passiert, ist im Grunde Folgendes: Eine städtische Einrichtung gibt Tickets an eine andere städtische Einrichtung. Zwei Ämter der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Und das wird als Charity-Offensive verkauft.

Die Pflegefamilien der betreuten Kinder kriegen also, was? Zoo-Tickets. Gebraucht. Oder flexibel. Wer weiß das schon. Haupsache, man kann’s als positive Story in der Lokalpresse unterbringen. «Zoo schenkt Jahreskarten» — klingt doch gut im Nachrichtenticker.

Bei einer Stadt mit dem Haushaltsvolumen von Schwerin sollte man meinen, solche Kleinigkeiten lächerlich easy zu stemmen sind. Und trotzdem ist es eine Meldung wert. Das sagt mehr über den Zustand als jede Sparliste.

Foto: Alexas Fotos / Pixabay

Quelle: Nordkurier

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