Gesellschaft

Schweriner Wäschetraum schließt nach 33 Jahren – „Wo sollen wir denn jetzt hin?“

Schwerin. Der Wäschetraum schließt. Nach 33 Jahren. Andrea und Mario Tempel geben auf. „Wo sollen wir denn jetzt hin? Unser Geschäft ist einmalig in Schwerin“, sagen die Kundinnen. Und haben Recht. In einer Stadt, in der jede zweite Ladenfläche leer steht, schließt ein Geschäft, das seit 33 Jahren überlebte. Das ist nicht nur das Ende eines Ladens. Das ist das Ende einer Haltung.

„Der Wäschetraum – das ist meine Frau“

Mario Tempel sagt über seine Frau Andrea: „Das sehe ich sofort“, wenn es um Größen geht. 33 Jahre Erfahrung. Ein Blick, der weiß, welche Kundin welchen BH trägt, welche Nachthemden zu welcher Figur passen, wo Unsicherheiten liegen und wie man sie mit einem Augenzwinkern auflöst. Das ist kein Laden. Das ist ein Dienstleistungsunternehmen, das in einer Zeit operiert, in der Dienstleistung als Begriff aus der Mode gekommen ist.

„Ich wollte immer so gerne einen eigenen Laden“, sagt Andrea Tempel. Sie hat sich den Traum erfüllt. 1993 im Margaretenhof, dann im Wurm, dann im Schlosspark-Center, dann in der Lübecker Straße, dann in der Schmiedestraße. 33 Jahre Selbstständigkeit. Und jetzt? „Die sind richtig traurig“, sagt sie über ihre Kundinnen. Und fragt: „Wo sollen wir denn jetzt hin?“

Die Tempels haben überlebt, wo andere starben. Sie zogen mit ihrem Geschäft, wohin die Kundschaft ging. Von den Gründerzeitplatten des Margaretenhofs in die Shopping-Malls der 2000er, von dort in die Innenstadt, zuletzt in die Schmiedestraße. Ein Geschäftsmodell, das auf Treue basierte. Auf Erfahrung. Auf dem Wissen, dass eine Kundin, die heute einen Bikini kauft, in zehn Jahren wiederkommt, um ein Nachthemd für ihre Enkelin zu kaufen.

Es begann mit der Wende

Ohne die Wende hätte es den Wäschetraum nie gegeben. Die Tempels verließen die DDR 1989, flohen über Ungarn nach Österreich, landeten im Raum Hannover. Drei Jahre später waren sie zurück in Schwerin. Mario übernahm die Handelsvertretung seines Vaters für Miederwaren. Andrea erfüllte sich ihren Traum. „Ich wollte immer so gerne einen eigenen Laden.“

Sie haben überlebt, als die Shopping-Center kamen, als Amazon kam, als Lieferdienste kamen, als Influencer statt Verkäuferinnen die Mode erklärten. 33 Jahre lang haben sie überlebt, indem sie das taten, was man in einem Wäscheladen tun muss: Zuhören. Beraten. Und nicht den Algorithmus entscheiden lassen, wer was trägt.

Jetzt schließen sie. Nicht, weil sie pleite sind – obwohl die Details nicht öffentlich sind. Sondern weil 33 Jahre irgendwann reichen. Weil ein Laden, der einmalig in Schwerin war, jetzt schließt. Und niemand da ist, der ihn übernimmt. Kein Investor, kein Konzern, kein Online-Gigant. Einfach niemand. Weil ein Wäscheladen, in dem manBH-Größen mit einem Blick erkennt, nicht skalierbar ist. Und nicht profitabel genug für jemanden, der das Risiko scheuen würde.

Bild: Daniel / Unsplash

Quellen: Nordkurier

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