Schwerin. In der Schweriner Verwaltung passiert mal wieder, was nur dort passieren kann: Eine Beamtin ist seit eineinhalb Jahren krankheitsbedingt nicht im Dienst. Und statt einfach zu sagen „Okay, das Thema hat sich erledigt“, wird jetzt formal ein „Abwahlverfahren“ eingeleitet. Wie bei einem Bürgermeister. Nur eben für jemanden, der einfach nur krank ist.
1,5 Jahre krank – jetzt wird abgestimmt
Die Dame in Frage ist laut Berichten eine „Spitzenbeamtin“. Das Wort „Spitze“ kann man hier durchaus wörtlich nehmen – sie stand ganz oben in der Hierarchie. Und jetzt steht sie seit anderthalb Jahren gar nicht mehr da. Krank. Und die Stadtvertreter stimmen jetzt darüber ab, ob sie abgewählt werden soll. Als ob das irgendwas mit ihrer Genesung zu tun hätte.
„Sie kann sich nicht selbst abwählen – also muss die Stadtvertretung ran.“
So ungefähr lautet die Begründung aus dem Bericht der Ostsee-Zeitung. Man stelle sich das mal vor: Jemand ist krank, kann nicht arbeiten, und statt einfach einen Nachfolger zu suchen, muss ein ganzes Gremium zusammenkommen und eine formale Abstimmung durchführen. In Zeiten, in denen im Rathaus Personalnotstand herrscht und jeder Azubi dringend gebraucht wird, ist das natürlich super effizient.
Bürokratie deluxe
Was hier passiert, ist im Grunde eine Posse. Eine Beamtin, die krankheitsbedingt ausfällt, wird nach eineinhalb Jahren per Beschluss abgewählt. Nicht, weil sie was falsch gemacht hat. Nicht, weil sie sich was zu Schulden kommen ließ. Sondern weil das Gesetz nun mal vorschreibt, dass Beamte auf Lebenszeit nicht einfach so gehen können. Selbst dann nicht, wenn sie es wollen.
Das Erstaunliche daran: Es gibt offenbar kein schnelleres Verfahren. Kein „Krankheits-Deadline“ nach 18 Monaten. Kein automatisches Ende der Amtszeit. Stattdessen muss jemand in einer Stadtvertretersitzung aufstehen und formell abstimmen. Über etwas, das für alle Beteiligten längst klar ist.
Es bleibt zu hoffen, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin etwas weniger bürokratisch ein- und wieder ausgesetzt wird. Aber bei Beamten auf Lebenszeit ist bekanntlich guter Rat teuer. Und die Abstimmung muss trotzdem sein.
Foto: Matthias Bethke / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Quellen: Ostsee-Zeitung, Schwerin.news
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