Infrastruktur

Schweriner Mieter kämpft seit Monaten gegen WGS: „Dreimal abgelehnt, einmal der Stecker gezogen“

Manchmal braucht es in Schwerin nicht viel, um das Gefühl zu bekommen, man lebe in einer Zeitkapsel. Ein Schweriner Mieter versucht seit Monaten, eine Wallbox für sein Elektroauto zu installieren und Glasfaser in seine Wohnung zu bekommen. Die Antworten der Wohnungsbaugesellschaft WGS könnte man als Masterclass in Bürokratie-Archäologie bezeichnen.

Genehmigung zur Modernisierung? Noch nie gehört.

Der Mieter, nennen wir ihn Stefan G. (Name geändert, da er noch in der Wohnung wohnt und Angst vor Kündigung hat), versucht seit April 2026, moderne Infrastruktur in seinem Zuhause zu installieren. Wallbox? Abgelehnt. Glasfaser? Wird „geprüft“. Ein Antrag auf einen zusätzlichen Stromanschluss? Verschwand einfach. Buchstäblich. Der Antrag war da, dann war er weg, und niemand wusste warum.

„Die WGS sagt mir, Glasfaser sei ’nicht wirtschaftlich‘. Für 96.000 Einwohner. In einer Landeshauptstadt. Mit Bundesförderung. Verstehen Sie, ich habe kein Problem mit der Technik – ich habe ein Problem mit der Zeitform.“

In einer schriftlichen Fristsetzung vom 1. April 2026 spricht der Mieter von einem Widerspruch zwischen öffentlichen Ausbauversprechen und der tatsächlichen Praxis. Die WGS betreut nach eigenen Angaben über 10.000 Wohnungen in Schwerin. Das ist eine Menge Potential für Modernisierung – theoretisch. Praktisch scheint man dort noch zu prüfen, ob Digitalisierung nicht vielleicht doch nur ein Trend ist, der vorbeigeht.

Landeshauptstadt der verpassten Chancen

Schwerin, Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, circa 96.000 Einwohner, UNESCO-Kulturerbe-Potenzial, sieht sich konfrontiert mit dem Dilemma einer Stadt, die beim Thema moderne Infrastruktur den Anschluss sucht. Oder genauer: den Anschluss bereits verloren hat, aber offiziell noch danach sucht.

„Ich würde ja gerne Elektroauto fahren und im Gigabit-Netz arbeiten. Aber die WGS erklärt mir, dass dies ’nicht zum aktuellen Bestand passt‘. Ich frage mich, welcher Bestand gemeint ist – der aus den 90ern?“

Das Ganze hat eine Qualität, die man nur noch als performative Verwaltung bezeichnen kann. Man tut so, als prüfe man, während die Entscheidung längst getroffen scheint. Die Antworten kommen spät, unvollständig und oft genug: gar nicht.

Was sagt uns das über Schwerin?

Die Geschichte vom kämpfenden Mieter ist keine Randnotiz. Sie ist ein Mikrokosmos dessen, was Schwerin seit Jahren beschreibt: Eine Stadt mit Potenzial, aber ohne den Willen, es zu nutzen. Wenn eine städtische Wohnungsbaugesellschaft Modernisierungsanfragen als Belästigung behandelt, statt als Chance, dann hat niemand in der Verwaltung verstanden, worauf es ankommt.

Stefan G. sucht weiterhin nach einer Lösung. Die WGS hat angekündigt, „zeitnah“ zu antworten. In Schwerin heißt das: in ein bis zwei Quartalen, falls überhaupt. Der Stecker ist indessen immer noch gezogen, das Glasfaser-Kabel eine ferne Erinnerung, und das Elektroauto steht in der Garage und wartet auf bessere Zeiten. Oder wie man in Schwerin sagt: auf die wollen wir alle warten.

Foto: Stefan Pasch / Unsplash

Quelle: schwerin-lokal.de

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