Satire

Schweriner Eis: Zweieinhalb Euro für „hausgemacht“ — und das kann alles bedeuten

Es ist Mai. Die Sonne scheint. Die Schweriner sitzen auf dem Markt, halten ihre Kugel Eis in der Waffel und denken: „Hausgemacht. Gut.“ Halt. Stop. Vielleicht lieber nicht zu genau drüber nachdenken.

„Hausgemacht“ ist, was du draus machst

Denn laut Verbraucherzentrale ist „hausgemacht“ kein geschützter Begriff. In keinerlei Hinsicht. Man kann ein industriell hergestelltes Fertigpulver mit Wasser anrühren, in die Vitrine stellen, und dann steht da: „Aus eigener Herstellung“. Und das ist legal. Sogar empfohlen. Denn: Warum sollte man mehr zahlen für was auch immer?

„Hausgemacht“ kann auch bedeuten, dass einindustrielles Fertigpulver lediglich mit Wasser angerührt wird.

— Verbraucherzentrale

In Schwerin kostet eine Kugel inzwischen mehr als zwei Euro. Für das Geld kriegt man anderswo ein ganzes Menü. Aber gut, Schwerin ist halt kein Berlin. Die Mieten sind niedriger, die Löhne auch, aber das Eis — das muss teuer sein. Muss es? Muss es nicht. Aber es ist. Schwerin: Feiert sich für Mittelmaß, aber beim Eis hört die Großzügigkeit auf.

Die Chemie-Story

Da wäre die Sache mit den Farbstoffen. Wenn Erdbeereis grell-pink leuchtet oder „Schlumpfeis“ in intensivem Blau daherkommt, ist irgendwas im Busch. Und bei den imposant aufgetürmten Eisbergen in der Vitrine? Die entstehen laut Verbraucherzentrale durch Emulgatoren. Die machen das Eis stabiler, lassen es langsamer schmelzen. Klingt erstmal gut, oder? Ist aber kein Qualitätsmerkmal. Sondern ein Indiz dafür, dass man für teures Geld Industrie-Eis kauft.

Hinzu kommt: Eisbuden sind nicht verpflichtet, alle Inhaltsstoffe vollständig offenzulegen. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur die Kennzeichnung von Allergenen und bestimmten Zusatzstoffen. Der Rest? Geheim. Wie bei den Behörden in Schwerin. Nur dass es dort um Baugenehmigungen geht und nicht um Eis. Aber das Prinzip ist ähnlich: Transparenz? Naja, eher so mittel.

Was also tun?

Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Einfach nachfragen. Wie wird das Eis hergestellt? Viele Eisdielen geben bereitwillig Auskunft. Wer nicht fragt, wird nie erfahren, ob man für eine Kugel zwei Euro zahlt, die aus einem Fertigpulver-Tütchen kam, das man auch im Discounter für 89 Cent kaufen kann.

Oder man geht einfach in die Eisdiele am Markt, bestellt seine Kugel, und denkt nicht weiter drüber nach. Wissen macht elend. Ignoranz ist ein Geschenk. In diesem Sinne: Guten Appetit.

Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)

Bild: Pexels (Pexels-Lizenz)

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