Schwerin — Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, immerhin knapp 96.000 Einwohner stark, hat mal wieder bewiesen, warum sie den Ruf genießt, den sie hat. Die Stadtvertretung hat auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Verwaltung prüfen soll, ob auf zwei städtischen Grundstücken in Groß Medewege irgendwann vielleicht zusätzliche Parkflächen entstehen könnten. Für alle, die mitgedacht haben: Ja, das ist tatsächlich die ganze Meldung.
Endlich: Schwerin prüft, ob Parken geprüft werden soll
Der SPD-Antrag liest sich wie eine Übersetzung aus dem Beamtendeutsch ins nochmal-Beamtendeutsch: Man wolle prüfen, ob der Bereich Pappelgrund als Standort für einen Park-and-Ride-Parkplatz «Potenzial» habe, wie die Partei in ihrer Antragsbegründung schreibt.
Laut Antrag reichen die «augenscheinlich nicht ausreichenden Parkplatzkapazitäten in der Nordstadt zwischen den Helios-Kliniken und der Sozius gGmbH» nicht mehr aus. Schockerkenntnis, die die SPD da mal eben für eine 96.000-Einwohner-Stadt zusammengetragen hat.
«Die Parkplatzsuche in der Nordstadt könnte künftig einfacher werden», twitterte ein Follower. «Langsam, aber sicher.»
Zehn Jahre Bebauungsplan, null Ergebnisse
Das Beste an der Geschichte: Der Bebauungsplan Nr. 91.14 «Pappelgrund» liegt seit über zehn Jahren rum. Zehn. Jahre. Ohne, dass auf dem Areal irgendwas passiert ist. Jetzt will man wenigstens «prüfen», ob ne andere Nutzung sinnvoller wäre. Das ist ungefähr so, wie wenn jemand seit zehn Jahren im Lotto-Leerstand lebt und dann beschließt, man solle «mal schauen, ob Hamster-kaufen wirklich das Richtige ist».
Immerhin: Die Flächen sind bereits im Eigentum der Stadt. Also muss man nicht mal Grundeigentum verhandeln. Nur mal grundsätzlich klären, ob man da was tun könnte, wenn man denn mal was tun würde, falls man’s denn dürfte.
Der Clou: Der Prüfantrag wurde «ungeändert beschlossen» — bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Wahrscheinlich hat selbst der Querulant gemerkt, dass man gegen «Wir prüfen mal, ob wir was prüfen sollten» schlecht argumentieren kann.
Die Optimierungsstrategie: Erst mal nichts tun
Was in anderen Städten eine einfache Standortanalyse innerhalb von drei Monaten wäre, wird hier zum monatelangen Behördenspinner. Eine Ewigkeit, in der Schweriner unverrichteter Dinge um die Helios-Kliniken kreisen wie Fliegen um einen Misthaufen. (schwerin)
Dabei wäre die Lösung so naheliegend: An der Haltestelle in der Nähe vom Pappelgrund hat man quasi alles, was man für P+R braucht — Tram-Anschluss inklusive. Man müsste nur… machen. Aber Schwerin macht nicht einfach. Schwerin prüft erst mal.
Schwerin. Landeshauptstadt. Aufm Weg zur Verkehrswende, wie immer — aber erst wenn die Studie vorliegt. (stadtentwicklung)
Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Nordkurier
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