Schwerin verliert Hauptpost: Wer braucht schon Briefe?
Die Deutsche Post hat mal wieder entschieden: Am 16. Juni schließt die Hauptpost am Marienplatz. Künftig gibt es dort nur noch die Postbank. Für alle, die tatsächlich noch Briefe verschicken wollen, bleibt nur noch ein Spätkauf in der Lübecker Straße.
Die Post gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge.
Stellvertretender Oberbürgermeister Bernd Nottebaum findet das gar nicht gut und hat die Post in einem Schreiben gebeten, das Ganze nochmal zu überdenken. Seine Argumente: Grundversorgung, öffentliches Interesse, sozialer Auftrag. Die Antwort der Post war vermutlich ein Schulterzucken.
Denn tatsächlich versteht die Post Modernisierung. Und wenn man ehrlich ist: Wer verschickt heute noch Briefe? Außer vielleicht Steuererklärungen und Mahnungen – aber dafür gibt es ja das Online-Banking. Oder?
Rückzug aus der Fläche
Die Schließung am Marienplatz ist nur der letzte Schritt einer jahrelangen Entwicklung. Die historische Hauptpost in der Mecklenburgstraße wurde bereits 2012 aufgegeben. Das Gebäude stand danach fast zehn Jahre leer, bevor das Land es kaufte und für die Landesverwaltung sanierte. Die „Alte Post“ am Berliner Platz in Neu Zippendorf verschwand 2019. In Lankow und der Weststadt ersetzten Partnergeschäfte die alten Postämter – und verschwanden dann selbst wieder.
Hier wird die Grundversorgung durch den Universaldienstleister abgewickelt und auf private Partner übertragen.
Klar, der Einzelhandel hat auch Probleme. Aber während Aldi und Lidl sich ansiedeln, zieht die Post ab. Ironischerweise könnte man argumentieren, dass die Post genau das Gegenteil von dem tut, was sie sollte: Näher am Kunden sein. Aber vielleicht ist das Geschäftsmodell „Briefe verschicken“ einfach nicht mehr zeitgemäß. Schade nur für alle, die keinen Drucker haben.

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