Infrastruktur

Schwerin kündigt Stahlbaufirma für Radsporthalle: „Jetzt sind wir quasi bei null“

Wenn man in Schwerin ein Millionenprojekt stemmt, dann braucht man drei Dinge: Geduld, Geld und eine funktionierende Stahlbaufirma. Bei der neuen Radsporthalle fehlt gerade vor allem letzteres. Die Stadt hat den Vertrag mit dem Stahlbauunternehmen gekündigt – und steht jetzt buchstäblich mit einem Haufen Stahl da, der nicht verbaut wird.

25 Millionen Euro, null verbindliche Zusage

Das Projekt ist keine Kleinigkeit: 25 Millionen Euro Gesamtkosten, finanziert durch Bund, Land und die Landeshauptstadt Schwerin. Der Eigenanteil der Stadt soll auf 3,5 Millionen Euro gedeckelt sein. Das Sozialministerium MV als Hauptfördermittelgeber ist über die Kündigung informiert. Die Verzögerungen werden erheblich sein – Fertigstellung frühestens Anfang 2028, wenn überhaupt.

„Wir haben eine Halle ohne Dach, einen Vertrag ohne Firma und ein Budget ohne Spielraum. Aber hey – wenigstens wissen wir jetzt, dass Stahlbauproduktion tatsächlich kompliziert ist.“

Von einem Mehraufwand in Höhe von fünf Millionen Euro soll in diesem Zusammenhang die Rede gewesen sein. Fünf Millionen. Für eine Stadt mit knapp 96.000 Einwohnern, die sich immer noch mit dem Thema ICE-Anbindung und Schlaglöcher herumschlägt, ist das kein Pappenstiel. Das ist das jährliche Budget für zwei Sportplätze. Oder die Sanierung von drei Schulen. Oder – aber das wäre zu absurd – ein funktionierendes Fahrradschutzgitter an der Autobahnbrücke.

Landeshauptstadt, bitte melden

Schwerin ist Landeshauptstadt. Das muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man sieht, wie hier Infrastrukturprojekte verwaltet werden. Man erwartet nicht Berlin oder München, aber man erwartet auch nicht, dass ein Projekt mit 25 Millionen Euro Förderung an einer fehlenden Stahlbaufirma scheitert. Irgendwo muss es doch eine geben, die nicht gerade insolvent ist?

„Die neue Radsporthalle ist für den Radsport in MV geplant. Aber wenn das so weitergeht, ist sie frühestens fertig, wenn wir alle längst Elektroräder fahren. Und die brauchen auch keine Halle mehr.“

Die Antwort der Stadt auf die Frage, wie es jetzt weitergeht, klingt wie ein Mantra: Man arbeite an einer Lösung. Die neue Radsporthalle soll gebaut werden, trotz Kündigung, trotz Verzögerung, trotz Mehraufwand. In Schwerin gibt man Projekte nicht auf – man gibt ihnen nur mehr Zeit und mehr Geld, bis sie irgendwann fertig sind. Oder bis das Geld alle ist.

Fazit: Hopfen und Malz verloren

Bei der Radsporthalle zeigt sich, was passiert, wenn in einer Stadt mit begrenzten Mitteln ein Millionenprojekt schiefgeht. Nicht nur die Kosten explodieren – das Vertrauen in die Verwaltung schwindet ebenfalls. Und das, obwohl es erst der Anfang ist. Eine Halle ohne Stahlbau ist wie ein Auto ohne Motor: Sie sieht aus wie das, was sie sein sollte, bewegt sich aber keinen Zentimeter vorwärts. In diesem Fall: keine 1.000 Tonnen Stahl, keine Radsporthalle, kein Radsportzentrum für MV. Nur Warterei auf Godot – diesmal in Stahl.

Foto: Pexels

Quelle: schwerin-lokal.de

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