Satire

Schwerin kämpft endlich gegen Kippen – der Bund hat’s möglich gemacht

Schwerin. Fünf Jahre. So lange hat es gedauert, bis die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ein Problem erkennt, das jeder Schwerinerin und jedem Schweriner täglich vor der Nase liegt: die Zigarettenkippen auf den Gehwegen, an den Haltestellen, in den Parks. Fünf Jahre, in denen die Stadt lieber über Millionenprojekte debattiert hat, statt sich um Zentimeterware zu kümmern.

Im Frühjahr 2022 war es ein Schweriner Bürger aus der Weststadt, der der Aktionsgruppe Stadt- und Kulturschutz (ASK) einen Tipp gab. Die wiederum wandte sich an die Stadtvertretung – mit einem Vorschlag, der so pragmatisch war, dass er fast wehtat: Taschenaschenbecher verteilen. Aufklärung betreiben. Öffentliche Sammelbehälter so gestalten, dass der Regen die Giftstoffe der Filter nicht ins Grundwasser spült.

Die Mehrheit in der Stadtvertretung wischte den Antrag vom Tisch. Das Problem erschien schlichtweg nicht wichtig genug.

Man muss sich das einmal vorstellen: Eine Bürgerinitiative meldet sich zu Wort, macht einen vernünftigen Vorschlag, und die Reaktion ist: uninteressant. Wer stimmt schon einem ASK-Antrag zu? Die Brandmauer in Schwerin gegen die ASK ist seit Jahren härter als die Brandmauer anderer Kommunen gegen die AfD.

Plötzlich geht’s – wenn der Bund zahlt

Doch das Thema verschwand nicht. Über den Umweg einer Bürgerpetition 2023 köchelte die Debatte weiter, bis die Fraktionen von UB und Grünen die abgelehnten Ideen 2024 noch einmal aufgriffen. Aus der belächelten Randnotiz wurde ein offizieller Arbeitsauftrag an die Stadtverwaltung. Aufkleber auf Mülleimern. Informationsbeiträge des städtischen Eigenbetriebs SDS.

Und jetzt, 2026, soll aus dem Nischenthema ein „funktionierendes System“ werden. Gemeinsam mit den 17 Ortsteilvertretungen soll ganz konkret nach Standorten für zusätzliche Sammelbehälter gesucht werden. An viel frequentierten Plätzen. An den Haltestellen des Nahverkehrs.

Der Grund für diese plötzliche Betriebsamkeit? Der Bund. Mit dem Einwegkunststofffonds hat die Bundesregierung eine Kasse geöffnet, aus der Hersteller von kunststoffhaltigen Filtern einzahlen müssen. Die Kommunen können sich das für die Straßenreinigung zurückholen. Heißt: Aus dem Problem, das man fünf Jahre lang ignoriert hat, wird jetzt ein refinanziertes Problem. Und plötzlich geht’s.

Der OB wird auf der nächsten Pressekonferenz vermutlich erklären, dass Schwerin „Vorreiter bei der Kippenentsorgung“ sei. Die Fraktion UB/FDP wird betonen, dass man das Thema „immer auf der Agenda“ gehabt habe. Und niemand wird erwähnen, dass ein Bürger aus der Weststadt das vor fünf Jahren schon mal vorgeschlagen hatte.

Foto: Lamiot / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quellen: schwerin.news (26.05.2026), Stadtvertretung Schwerin (ASK-Antrag 2022), Einwegkunststofffonds Bundesumweltministerium

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