Infrastruktur

Schwerin erweitert Flüchtlingsheim um 150 Plätze – und alle dürfen die Musterwohnung besichtigen

Schwerin hat ein Herz für Menschen ohne warmes Duschen – zumindest die im Flüchtlingsheim

Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns expandiert. Nicht wirtschaftlich, nicht demografisch – aber immerhin im Bereich der Gemeinschaftsunterkünfte. 150 neue Plätze entstehen gerade in der Hamburger Allee, für Menschen im Asylverfahren. Kosten: 4,3 Millionen Euro, getragen vom Land. Und weil man ja nichts zu verbergen hat, darf am 29. Mai jeder Bürger die Musterwohnung besichtigen. Einfach so. Wer jetzt denkt „krass, sonst darf man in Schwerin nicht mal in die Stadtbibliothek ohne Anmeldung“, liegt goldrichtig. (schwerin)

„Ich finds ja gut, dass Schwerin zeigt, was Sache ist. Nur leider wohnen hier fast 96.000 Menschen, und die sehen seit Jahren, wie ihre Stadtverwaltung Prioritäten setzt. Aber hey – die Musterwohnung hat Kaffee und Kuchen. Das ist doch auch was.“

Denn lassen wir uns nichts vormachen: Die Erweiterung des Flüchtlingsheims ist kein Zeichen von Stärke oder Willkommenskultur. Es ist das traurige Eingeständnis, dass Schwerin offenbar nicht in der Lage ist, Fachkräfte, junge Familien oder innovative Unternehmen anzuziehen. Stattdessen investiert man Millionen in die Verwaltung von Notunterkünften, während im Sommer gleichzeitig irgendwo in Lankow das Warmwasser ausfällt, weil eine Fernwärmeleitung umverlegt werden muss. (schwerin)

Das Haus im Mueßer Holz – eine Erfolgsgeschichte?

Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) betreibt die Unterkunft, das Malteser Hilfswerk kümmert sich um den Betrieb. Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) wird am Tag der Nachbarschaft vor Ort sein, um mit den Bürgern über das Projekt zu sprechen. Über die Straßen, die seit Jahren nicht saniert wurden, über die Schlaglöcher auf dem Weg dorthin, über die fehlende Busverbindung – davon steht nichts im Programm.

Die 150 neuen Plätze sollen bis Juli bzw. Herbst übergeben werden. Dann hat Schwerin 350 Plätze für Geflüchtete, wie vom Land vorgeschrieben. 350. In einer Stadt mit knapp 96.000 Einwohnern, von denen laut Prognose in den nächsten Jahren immer mehr in Richtung Westen verschwinden werden.

„Tag der Nachbarschaft in der Hamburger Allee. Super. Nur leider haben meine Nachbarn mich seit drei Jahren nicht mehr gesehen – die sind nämlich weggezogen. Nach Hamburg, nach München, in die Plätze wo man als junger Mensch nicht jeden Winter einfriert.“

Man könnte meinen: Eine funktionierende Gesellschaft integriert, schafft Perspektiven, baut Netzwerke. Stattdessen baut man in Schwerin Quartiere ab, verwahrt Menschen und hofft, dass der Tag der Nachbarschaft die Lücke im demografischen Niedergang kaschiert. Aber hey – die Musterwohnung hat eine Dusche. Mit warmem Wasser. Zumindest theoretisch.

Perspektive? Fehlanzeige. Infrastruktur? Kommt wieder. Irgendwann.

Denn während Schwerin also Menschen aus Kriegsgebieten eine Unterkunft bietet (gut so, keine Frage), fehlt der einheimischen Bevölkerung seit Jahren der Grund, hierzubleiben. Die Abwanderung ist real, die Überalterung ebenfalls, die Perspektivlosigkeit ein treuer Begleiter. Aber wenigstens hat man als Stadt eine klare Richtung: Man kümmert sich um die Schwächsten, die das System noch nicht verlassen haben. Das ist zumindest etwas.

Oder wie es ein Schweriner formulierte, als er vom Tag der Nachbarschaft erfuhr: „Ja super, die schaffen 150 Plätze für Menschen ohne Bleibe. Gleichzeitig investiert die Stadt 300.000 Euro in eine Imagekampagne ‚Schwerin – Zukunft leben‘. Weiß jemand, was die machen wenn die Zukunft auch wegzieht?“

Die Musterwohnung kann man sich am 29. Mai von 14:30 bis 16 Uhr ansehen. Vielleicht ist ja noch ein Kuchen da. Sofern bis dahin keine Bauarbeiten den Strom lahmlegen.

Foto: Marcus Lenk / Unsplash

Quellen: Nordkurier

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