Gesellschaft

Schwerin entdeckt die Zukunft — irgendwo zwischen Baugerüst und Hoffnung

Schwerin. Am 9. Mai öffnet die Landeshauptstadt das Gelände Am Werder 2. Ein 3.000-Quadratmeter-Areal, ehemals Standort der städtischen Beleuchtung, jetzt gekauft mit Städtebaufördermitteln. Ziel: ein integrierter Quartiersplatz als neuer Mittelpunkt der Werdervorstadt. Klingt ambitioniert. Ist es auch. Vorausgesetzt, Schwerin kann das, was es plant, auch umsetzen.

Jahrzehntelang vergessen, jetzt aufgeweckt

Die Liegenschaft Am Werder 2 lag „über viele Jahrzehnte isoliert, rein privat, insbesondere gewerblich genutzt“. So formuliert es die Stadt. Heißt im Klartext: Hier hat sich jahrzehntelang niemand gekümmert. Gewerbe hier, Gewerbe dort, kein Konzept, keine Einbindung ins Viertel. Jetzt, mit Fördermitteln, soll Schluss sein mit der Verwahrlosung mitten in der Stadt.

Immerhin: Das Grundstück liegt im Sanierungsgebiet „Werdervorstadt/Wasserkante Bornhövedstraße“ und im Fördergebiet „StadtGrün Werdervorstadt/Wasserkante Bornhövedstraße“. Das heißt: Hier fließt Geld. Nicht wenig. Städtebauförderung ist kein Zuschuss, sondern eine Investition mit Auflagen. Und die Auflagen heißen: Beteiligung, Konzepte, sozialer Ausgleich. Das ist gut so.

Zwischen den neu entstandenen Waisengärten und dem Gründerzeitquartier Werdervorstadt: ein Gelände, das endlich etwas werden will. Oder wie Schwerin es nennt: „ein integrierter Quartiersplatz als neuer räumlicher und sozialer Mittelpunkt.“

Von der Fläche zum Ort: der lange Weg

Was am 9. Mai passiert: Führungen ab 10 Uhr, stündlich, letzte um 13 Uhr. Stadtmitarbeiter zeigen das Gelände, erklären die Pläne, beantworten Fragen. Das ist mehr, als man von dieser Verwaltung normalerweise erwarten darf. Die Frage ist nur: Kommen die Leute? Und wenn ja — bringen sie Ideen, die über „hier könnte man doch was machen“ hinausgehen?

Denn eins ist klar: Ein Quartiersplatz entsteht nicht durch eine Fördermittelbeschluss-Nummer. Der entsteht durch Anwohner, durch Nutzung, durch Pflege, durch Akzeptanz. Wenn die Stadt sagt „sozialer Mittelpunkt“, meint sie das ernst — oder sie meint es nur für die Pressemitteilung. In sechs Monaten sieht man das Ergebnis. Oder auch nicht.

Die Werdervorstadt hat zuletzt nicht viel abbekommen von der Stadt. Jetzt, wo die Waisengärten gebaut sind und das Quartier einen neuen Look bekommt, könnte hier tatsächlich etwas entstehen. Vorausgesetzt, man lässt die Anwohner mitreden — und hört dann auch zu. In Schwerin ist das keine Selbstverständlichkeit.

Am 9. Mai lohnt sich ein Blick. Nicht weil die Stadt es verspricht, sondern weil die Werdervorstadt es verdient, mehr zu sein als das, was jahrzehntelang daraus gemacht wurde.

Foto: Symbolbild Stadtentwicklung — Wikimedia Commons

Quellen: Stadt Schwerin

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