Schwerin, dein Ehrgeiz in allen Ehren
In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit gepredigt wird wie nie zuvor, stellt sich ein Mann aus Schwerin der vielleicht wichtigsten Frage der Menschheit: Wer repariert noch einen DDR-Plattenspieler? Die Antwort ist leider ernüchternd.
Wegwerfen? Unmöglich. Erbstücke entsorgt man nicht wie einen kaputten Toaster.
Seine Großmutter hatte den Robotron einst angeschafft – gebaut wie ein Trabant, nicht schön, aber unverwüstlich. Jahrzehntelang war das schwarz-beige Ungetüm das Herz der guten Stube. Wenn „Ein Dieb schleicht durch den Winterwald“ mit Herrn Fuchs und Frau Elster knisternd aus den Boxen erklang, war die Welt in Ordnung. Heute, so erzählt uns der Mann aus Schwerin, „antwortet er nur noch mit Rauschen.“
Das Problem: Niemand mehr. Die letzte Hoffnung ist ein „sagenumwobener Elektriker“, der noch weiß, wie DDR-Technik funktioniert – offenbar eine Spezies, die im Aussterben begriffen ist. Während anderswo Städte ihre Digitalisierung vorantreiben, kämpft Schwerin hier mal wieder mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens.
Generation-Doch-Nicht-Wegwerfen
Denn Hand aufs Herz: Wer entsorgt schon freiwillig ein Erbstück? Besonders in einer Zeit, in der wir alle so tun, als würden wir die Umwelt retten wollen. Kurioserweise sind es ausgerechnet die Jüngeren, die den DDR-Retro-Trend feiern, während die Älteren mit ihren funktionierenden Geräten das Nachsehen haben.
Mein technisches Verständnis endet kurz hinter dem Einstecken des Steckers.
Vielleicht sollte die Stadt Schwerin einen neuen Tourismus-Slogan entwickeln: „Schwerin – wo die Zeit stehen geblieben ist. Und der Plattenspieler auch.“

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