Schwerin. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, wo circa 96.000 Menschen versuchen, einer Stadt ein Gesicht zu geben, die selbst die eigene Stadtverwaltung manchmal vergisst. Jetzt gibt es eine neue Strategie gegen den Azubi-Mangel: Rentner.
Omas und Opas gegen den Fachkräftetod
Das Programm VerAplus vermittelt Senioren als Ausbildungsbegleiter an Azubis. In Schwerin gibt es aktuell 14 solcher Tandems. Eine 77-jährige Rentnerin begleitet eine 35-jährige Vietnamesin durch ihre Pflegeausbildung. Die Prüfung ist am 10. Juni 2026. Hoffentlich klappt’s.
Denn die Realität in dieser Stadt ist brutal: Mehr als jeder zehnte Azubi in Deutschland bricht seine Ausbildung ab. In einer Region, die bereits jetzt vor Abwanderung stöhnt und bei jeder Gelegenheit über „Fachkräftemangel“ jammert, ist das keine Kleinigkeit.
„Ein Lotse an Bord eines Schiffes übernimmt keineswegs das Kommando“, erklärt Angela Leymannek, die VerAplus in Schwerin koordiniert. Wow. Wer hätte gedacht, dass die Schifffahrt-Metaphern in Schwerin so gut funktionieren. Die Stadt hat immerhin keinen ICE-Anschluss, aber offenbar viel Meer-Optik.
Die ehrliche Verwaltung spricht
Ein Schweriner Beamter, der namentlich nicht genannt werden möchte (verständlich), kommentiert die Lage trocken: „Na, wenn se keine Azubis mehr kriegen, müssen se halt die nehmen, die noch da sind. Und die sind manchmal… naja. Aber hey, haben wir ja jetzt die Senioren. Wenn se nichts mehr können, können se wenigstens nem Azubi erzählen, wie früher alles besser war.“
Im Ernst: 14 Tandems. Für eine ganze Landeshauptstadt. Die Stadt versucht, mit ehrenamtlichen Rentnern das System am Laufen zu halten, während die wirklich Probleme — marode Berufsschulen, zuwenig Ausbildungsplätze, Abwanderung der Jugend — fröhlich vor sich hin schwelen.
Immerhin: Das Angebot ist kostenlos für Azubis. Die Ehrenamtlichen bekommen eine „kleine Aufwandsentschädigung“. Wohl eher so viel, dass man sich davon ungefähr drei Kaffee kaufen kann. Aber hey, Ehrenamt halt.
Die 77-jährige Almut Lüpkes blickt auf 24 VerA-Begleitungen zurück. 24 junge Menschen, die sie unterstützt hat. Das ist bewundernswert. Nur sollte eine Landeshauptstadt nicht darauf angewiesen sein, dass Rentner die Ausbildungsprobleme solos.
Und mal ganz ehrlich: Wenn der Azubi-Nachwuchs in einer 96.000-Einwohner-Stadt nichtmal für ein Programm mit 14 Plätzchen reicht — wie soll dann bitte das Gesundheitssystem funktionieren, wenn in zehn Jahren alle Pflegefachkräfte weggezogen sind?
Schwerin, Landeshauptstadt. Man wünscht sich mehr als improvisierte Tandems aus der Not heraus.
Quellen: Nordkurier: Azubi trifft Senior
Foto: Kampus Production / Pexels
Quelle: ndr.de
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