Seit dem 1. Mai kümmert sich die SAS, die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft, um 45 Altkleider-Behälter in der Stadt. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) haben den Auftrag erteilt. Zuvor hatte das Diakoniewerk Kloster Dobbertin die Sammlung aufgegeben. Das Geschäft mit alten Textilien sei, so ein Sprecher des Diakoniewerks, „zunehmend unwirtschaftlich“ geworden. Die Behälter seien zu oft überfüllt und verunreinigt. Und überhaupt. Fast Fashion. Die Qualität sinkt. Die Abnehmer fehlen.
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Wenn karitative Logik an ökonomischer Realität scheitert
Das ist die ehrliche Variante einer Geschichte, die man selten so hört. Die Altkleidersammlung funktioniert nicht mehr als Geschäftsmodell. Nicht weil die Menschen weniger spenden. Sondern weil die Textilien, die gespendet werden, immer weniger wert sind. Fast Fashion macht’s möglich. Klamotten, die nach drei Monaten in der Altkleider-Tonne landen, weil sie entweder kaputt sind oder nicht mehr getragen werden, sind für Sortierbetriebe kein Geschäft. Da landet dann eben alles im Restmüll. Oder in der Autodämmung.
„Die Absatzpreise sinken, Kleidung hat mittlerweile durch Fast-Fashion-Ware oft eine geringere Qualität und international fehlen Abnehmer der Produkte.“ — SAS-Sprecher. Das ist eine bemerkenswert offene Zustandsbeschreibung für ein kommunales Unternehmen. Man hat nicht versucht, das Thema schön zu reden. Man hat es einfach festgestellt. So. Eben.
Die SAS hat die Altkleider-Container jetzt testweise alle zwei Wochen geleert. Nicht weil das der tatsächliche Bedarf wäre, sondern weil man den Bedarf erst noch ermitteln muss. Die Fahrzeuge seien ohnehin in der Stadt unterwegs, heißt es. Das klingt pragmatisch. Es klingt aber auch ein bisschen danach, als ob man das Thema nicht wirklich verstanden hat. Denn wenn die Behälter überfüllt sind, dann nicht, weil die Routen zu selten fahren. Sondern weil die Menschen zu viel wegschmeißen.
Kleidersammlung als comunale Fürsorge — oder doch nur Müllentsorgung?
Was hier passiert, ist ein kleiner kultureller Bruch. Die Altkleidersammlung war jahrzehntelang eine Selbstverständlichkeit. Man gibt die Klamotten in den Container, irgendjemand sortiert sie, die guten Stücke kommen in Secondhand-Läden, der Rest wird verwertet. Das System funktionierte. Bis es nicht mehr funktionierte. Jetzt macht die SAS das. Nicht das Diakoniewerk. Nicht eine Kirchengemeinde. Die kommunale Abfallentsorgung. Das ist ein Unterschied. Der eine trägt caritative Handschuhe. Der andere trägt Arbeitshandschuhe und Lieferscheine.
Die Textilien werden gesammelt und in eine Sortieranlage gebracht. Anschließend wird aussortiert, was nicht mehr getragen werden kann. Dieser Müll kommt zur Herstellung von Dämmstoffen für die Autoindustrie oder als Putzlappen. Hochwertige Kleidung landet in Secondhand-Shops. Das ist, wenn man genau hinsieht, ein downstream-Recycling-Modell. Die letzte Stufe vor dem Restmüll. Und es ist das, was Schwerin jetzt als kommunale Aufgabe übernimmt.
Natürlich könnte man das Ganze auch positiv sehen. Die SAS ist in der Stadt unterwegs, die Behälter werden geleert, alles funktioniert. Testweise. Alle zwei Wochen. Auf Wertstoffhof kann man auch noch bringen. Irgendwie. Das klingt nach einem System, das funktioniert. Auf Kante genäht. Gerade noch. Wie so vieles in Schwerin. Nicht schlecht. Nicht gut. Einfach da. Und das ist, wenn man ehrlich ist, das ehrlichste Fazit, das man für diese Stadt ziehen kann.
Quellen: NDR MV
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