Die Kriminalpolizei Schwerin ermittelt derzeit zu zwei Trickdiebstählen, die sich am 7. Mai in der Weststadt ereignet haben. Beide Geschädigten waren körperlich durch das Alter eingeschränkt und mit Rollatoren unterwegs. Am Ende fehlte bei beiden Senioren rund 160 Euro. Klingt erstmal nach Pech. Ist aber systembedingt.
Lederjacke und Polizeiuniform – wie man in Schwerin 160 Euro abholt
Im ersten Fall sprach ein bislang unbekannter Mann einen 91-Jährigen an und bot ihm eine Lederjacke sowie eine Uhr zum Kauf an. Der Senior ließ den Unbekannten in seine Wohnung – später kam ein weiterer Tatverdächtiger hinzu. Der alte Mann kaufte die Jacke. Nachdem beide Verdächtige die Wohnung verließen, bemerkte der 91-Jährige: Auch sein Bargeld war weg. 160 Euro. Für eine Lederjacke, die er vermutlich nie bekommen hat.
Wenig später das gleiche Spiel in der selben Woche: Ein 82-Jähriger wurde von zwei unbekannten Männern vor seiner Wohnung angesprochen. Sie gaben sich als Polizeibeamte aus und erklärten, nach Jacken und Schmuck zu suchen. Der Mann ließ sie rein. Nachdem die falschen Polizisten gegangen waren, fehlte auch hier Bargeld. Wieder rund 160 Euro. Zwei Tatverdächtige, zwei Fälle, gleiche Masche.
„Die Täter sind kräftig, stämmig, haben dunkle Haare und sprechen akzentfrei Deutsch. Einer ist deutlich jünger als der andere. Und die Opfer sind immer dieselben: Ältere Menschen, die alleine wohnen und gerade noch so über die Runden kommen.“
Die Polizei rät jetzt – wie immer in solchen Fällen – zu Misstrauen bei unangekündigten Besuchen. Keine unbekannten Personen in die Wohnung lassen. Bei angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis verlangen. Im Zweifel die 110 wählen. Das ist alles richtig und gut. Aber mal ehrlich: Wenn ein 91-Jähriger mit Rollator vor seiner eigenen Haustür von zwei durchtrainierten Typen überrumpelt wird – was soll er machen? Die Polizei alarmieren, während sie ihm gerade die Brieftasche leeren? Schön wär’s.
Das Problem ist nicht die Warnung. Das Problem ist, dass diese Masche funktioniert – und zwar nicht nur in Schwerin, sondern in jeder Stadt Deutschlands. Die Täter wissen genau, wen sie suchen: Ältere Menschen, die noch alleine wohnen, die vielleicht etwas isoliert sind und die auf einen freundlichen Besucher nicht sofort losschreien. In einer Stadt wie Schwerin, wo der demografische Wandel besonders hart zuschlägt, ist das besonders perfide. Hier wird die Alterung der Gesellschaft nicht nur als Statistik behandelt, sondern direkt als Geschäftsmodell.
Die Polizei sucht Zeugen. Hinweise gehen an kk.schwerin@polmv.de oder Tel. 0385/5180 2224. Wer was sieht, sollte den Notruf 110 wählen. Vielleicht hilft’s ja. In einer Stadt, in der die Polizei laut Polizeilicher Kriminalstatistik schon mit den basics kaum hinterherkommt, ist das vielleicht auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Foto: H-stt / Wikimedia Commons Quelle: SN-AktuellSchwerin ist Geil auf WhatsApp
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