Gesellschaft

Nachtsafari im Schweriner Zoo: Wenn Tiere Puma-Gehörntes sagen und Menschen im Dunkeln durch den Wald irren

Schwerin. Der Zoo Schwerin lädt zur Nachtsafari. Ein Ereignis, bei dem Erwachsene mit Taschenlampen bewaffnet durch Gehege stromern und dabei lernen, was ein Puma mit einem Faultier gemeinsam hat. Nähere Betrachtung eines Events, der die Existenzfrage „Warum safariet man nachts?“ nicht wirklich beantwortet.

Das Tierprogramm: Kompass ohne Nadel

Laut Ankündigung der Stadt läuft das Nachtprogramm nach dem Prinzip: „Was macht der Puma mit dem Faultier?“ Die korrekte Antwort wäre: „Nichts. Außer dass beide Säugetiere sind.“ Aber in einem Zoo, der um 22 Uhr seine Pforten schließt, ist das Niveau „Puma und Faultier“ vielleicht schon überambitioniert. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder wie man in Schwerin sagt: „Wenigstens kommen die Leute.“

Eine Nachtsafari ist nicht das, was man in Afrika macht, wo Löwen brüllen und Elefanten neben dem Jeep grasen. Eine Nachtsafari in Schwerin bedeutet: Taschenlampe, Mückenschutz, und die Hoffnung, dass das Gürteltier nicht gerade seinen deppenhaften Moment hat.

„Nachts im Zoo: Wo die Tiere schon schlafen, aber die Menschen trotzdem kommen. Für 15 Euro.“ — Zoo-Preisliste, unkommentiert

Der Zoo als kulturelle Institution

Die Landeshauptstadt Schwerin investiert seit Jahren in den Zoo als Familienattraktion. Das ist lobenswert — oder zumindest nicht kritikwürdig. Ein Zoo, der abends Programme anbietet, zeigt, dass man über den Tellerrand hinausdenken kann. Oder zumindest darüber, was man um 18 Uhr noch tun könnte.

Das Nachtsafari-Konzept hat Charme — wenn man es ehrlich formuliert: „Komm, wir gucken Tiere, die schon alle im Bett liegen, und danach trinken wir Kaffee.“ Das wäre authentisch. Stattdessen: „Lerne das Tierprogramm kennen.“ Welches Tierprogramm? Das, bei dem der Panda schon seit drei Stunden schläft?

Für Familien mit Kindern ab sechs Jahren ist das Event, wie die Stadt betont. Kinder unter sechs dürfen nicht mit — aus verständlichen Gründen. Wer mit sechs schon erfährt, dass Nachtsafari bedeutet „Tiere schlafen, Menschen stehen“, könnte das als Metapher fürs Leben nehmen.

Am Ende ist die Nachtsafari das, was Schwerin gut kann: Ein Rahmen, der mehr verspricht, als drinsteckt. Aber hey — es ist kostenpflichtig, es ist abends, und es ist ein Zoo. Das reicht für eine Bewertung, die nicht ganz negativ ausfällt. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo Konzerte um 20 Uhr stattfinden und um 21:15 gesagt wird: „Noch ein Lied.“ Ein Zoo mit Nachtprogramm ist da schon fast niveauvoll.

Foto: Symbolbild Zoo — Wikimedia Commons

Quellen: Stadt Schwerin

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