Schwerin. Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Knapp 96.000 Einwohner. Und demnächst eine Ausstellung mit Fotos aus Myanmar. Die Fotografin kommt nach Schwerin, zeigt ihre Aufnahmen am 20. Mai – und die Stadt freut sich über jeden, der überhaupt noch kommt. Das Niveau ist so niedrig, dass selbst eine Fotoausstellung über Myanmar als Highlight durchgeht. Willkommen in der Landeshauptstadt, wo jede kulturelle Veranstaltung automatisch ein Ereignis ist, weil die Alternative ist, sich die Zeit totschlagen.
Warum eine Myanmar-Ausstellung in Schwerin ein Zeichen ist
Lassen wir die Ironie kurz beiseite und schauen auf die Fakten: Eine Fotografin zeigt ihre Bilder aus Myanmar in Schwerin. Das ist erstmal nichts Besonderes. In jeder deutschen Stadt gibt es Ausstellungen, Vorträge, kulturelle Events. Das ist normal. Das gehört dazu. Aber in Schwerin? Da ist eine Fotoausstellung über Myanmar ein Event, über das die lokale Presse berichtet, als wäre es das kulturelle Highlight des Jahres. Und vielleicht ist es das auch. Schauen wir uns die Konkurrenz an: Was passiert gerade sonst in Schwerin? Die Innenstadt stirbt, die Kulturverwaltung hat kaum Mittel, die großen Namen bleiben fern. Wenn eine Fotografin aus Myanmar kommt und ihre Bilder zeigt, dann ist das tatsächlich etwas. Nicht weil es besonders besonders wäre – sondern weil es in Schwerin überhaupt etwas gibt.
„Ich bin froh, dass ich in Schwerin ausstellen kann. Die Leute hier sind so dankbar für alles, was kulturell passiert. Das ist ehrlich gesagt auch ein bisschen traurig.“
Myanmar. Ein Land in Südostasien, das seit Jahren von Militärputschen, Bürgerkrieg und Unterdrückung geprägt ist. Die Menschen dort leben unter Bedingungen, die wir uns in Deutschland kaum vorstellen können. Und eine Fotografin aus diesem Land zeigt ihre Bilder in Schwerin. In einer Stadt, die sich als Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern bezeichnet, aber in der die größte kulturelle Debatte der letzten Monate war, ob der Weihnachtsmarkt um eine Woche verlängert werden soll oder nicht.
Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack: Die Ausstellung ist gut gemeint und wahrscheinlich auch gut gemacht. Aber sie zeigt auch, wie wenig in Schwerin passiert. Wie sehr die Stadt kulturell abrutscht. Wie sehr die Menschen dort hungern – nicht nach Essen, sondern nach Abwechslung. Nach Kultur. Nach etwas, das über den lokalen Tellerrand hinausgeht. Eine Fotoausstellung aus Myanmar ist dafür natürlich kein Ersatz. Aber sie ist ein Anfang. Und in einer Stadt, in der selbst ein Anfang schon ein Wunder ist, nimmt man, was man kriegen kann.
Foto: Magnolien-Blüte / Wikimedia Commons Quelle: NordkurierSchwerin ist Geil auf WhatsApp
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