Infrastruktur

Millionen für den Sportplatz – aber für Toiletten reicht es nur zum Dixie-Klo

Mal ehrlich: Wenn man in einer Stadtmanager-Welt namens Schwerin ein Megaprojekt wie den Neubau eines Sportplatzes mit mehreren Millionen Euro plant – dann darf man doch wohl erwarten, dass wenigstens eine funktionierende Toilette drin ist?

Tja. Pustekuchen.

Wie die Ostsee-Zeitung exklusiv berichtet, wurde in Schwerin ein neuer Sportplatz gebaut. Kinder und Vereine sollen dort trainieren. Das Problem: Gebaut wurde tatsächlich nur der Platz. Toiletten? Fehlenanz. Kabinen? Fehlenanz. Infrastruktur? Nö.

„Sollen die Kinder in die Büsche machen?“

Wörtliches Zitat eines Verbandsvertreters, der sich angesichts der Misere sichtlich Mühe gab, die Fassung zu wahren. Das Dixie-Klo, das als Lösung für das sanitäre Notprogramm herhalten muss, wird laut Augenzeugen regelmäßig auf die Straße gekippt. Offenbar ein mobiler Witz der besonderen Art.

Die Kosten für das Gesamtprojekt: mehrere Millionen Euro. Die Kosten für die vorläufige Hygieneinfrastruktur: ein Dixie-Klo (circa 300 Euro, plus Kipplader). Das ist nicht Sparen. Das ist eine Kategorie für sich.

„Das ist doch alles gar kein Problem. Wir haben doch die Natur.“ — Ungenannter Lokalpolitiker bei der Stadtratssitzung

Gesagt hat das jemand, der vermutlich noch nie im Hochsommer bei 32 Grad eine Sportplatzanlage von innen gesehen hat. Aber Werner, du hast ja recht: Die Natur ist immer eine Option. Genauso wie der Stadtpark.

Der Clou des Ganzen: Noch bevor überhaupt der erste Ball rollte, gab es Streit. Nicht über die Toilette. Über den Kunstrasenplatz. Und das Budget. Und ob die Vereine sich beteiligen müssen. Die sanitäre Grundversorgung war da schon abgehakt – quasi als „Probleme von übermorgen“.

Man muss ja auch Fairness walten lassen: Toiletten seien „nicht Teil der Sportplatz-Förderrichtlinie“, so ein Sprecher der Stadt. Heißt im Klartext: Für Millionen gibt’s Geld, aber für ein Klo bräuchte man laut Fördertatbestand einen extra Antrag. Den hat natürlich niemand gestellt. (schwerin)

Die Vereine machen derweil das Beste aus der Situation. „Wir haben gelernt, flexibel zu sein“, sagt ein Trainer von der SV Grille. „Wenn’s pressiert wird, rennen die Kids einfach zum McDonald’s zwei Straßen weiter.“

Schwerin. Landeshauptstadt. Eine Stadt, die es sich leistet, für eine Sportanlage mit mehrstelligem Millionenetat zu planen – und dann beim WC-Sortiment kategorisch spart.

Da gratuliert man sich fast, in einer Stadt zu leben, wo man wenigstens weiß: Hier geht’s nicht um fehlende Ladesäulen für E-Autos. Sondern um deutlich Grundlegenderes.

Quellen:

  • Ostsee-Zeitung: „Fehlplanung beim Sportplatzbau in Schwerin“ (25.05.2026)
  • Stadt Schwerin: Pressemitteilungen zum Sportplatzneubau

Foto: Ardalan Hamedani / Pexels

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