Gesellschaft

Mega-Baugebiet Warnitzer Feld: Feldlerche muss weichen — und Schwerin feiert es als „nachhaltiges Quartier“

Schwerin. 24,4 Hektar Ackerfläche, über 1.000 geplante Wohneinheiten, Lärmpegel bis 70 Dezibel, Feldlerche als „Störfaktor“. Die Stadt Schwerin will ein neues Quartier auf dem Warnitzer Feld bauen — und nennt es trotzdem „nachhaltig“. Die Lärmschutzwand wird’s schon richten.

Grün getüncht, Kröte gelutscht

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat das Ding durchdekliniert. Grünzüge, Dachbegrünung, Regenrückhaltung, wasserdurchlässige Flächen, Mobility-Hubs. Sogar Stufe Gold ist drin, hebt die Stadt hervor. Klingt nach Antwort auf alle Fragen. Ist aber vor allem eine Beschwichtigungstaktik: Damit niemand fragt, ob ein 24-Hektar-Acker-Bebauungsplan auf einer der letzten freien Flächen am Stadtrand wirklich „nachhaltig“ ist.

Denn die Gutachten, die der Bebauungsplan mitliefert, erzählen eine andere Geschichte. Die Orientierungswerte für allgemeine Wohngebiete werden tags um bis zu 15 Dezibel überschritten, nachts um bis zu 17 Dezibel. In straßennahen Bereichen. Das sind keine Ausreißer — das ist System. Und die Lösung der Planer: Lärmschutzwand. Oder Abstände. Oder abschirmende Bebauung. Also Dinge, die man baut, weil die Grundannahme — ruhig, grün, nachhaltig — sonst nicht funktioniert.

Für die Feldlerche wird extra 1,5 Hektar Acker in extensiv gepflegtes Grünland umgewandelt. Fachleute sprechen von einer „sehr hohen Aussicht auf Erfolg“. — Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Man zerstört 24 Hektar Lebensraum und schafft dann 1,5 Hektar Ersatz, damit der Eingriff juristisch sauber aussieht.

Der neue OB und seine Baustelle

Mit Sebastian Ehlers, dem frisch gewählten Oberbürgermeister, bekommt das Projekt Rückenwind. Der galt als Befürworter. Wenige Tage nach der Wahl landet das Warnitzer Feld im Hauptausschuss. Zufall? Naja. In Schwerin ist Zufall das, was passiert, wenn man zu feige ist, „Absicht“ zu sagen.

Die Stadt behauptet, die Innenentwicklung sei „weitgehend ausgeschöpft“. Das ist die Standardfloskel für jede Kommune, die auf der grünen Wiese bauen will. In Wahrheit: Wer 1.050 Wohneinheiten am Stadtrand genehmigt, signalisiert, dass Innenentwicklung zu kompliziert ist. Zu viele Eigentümer, zu viele Verhandlungen, zu wenig和政治.

Das Warnitzer Feld ist kein是小项目. Es ist ein Test: Wie nachhaltig ist eine Stadt, die auf 24 Hektar Natur ein „nachhaltiges Quartier“ baut? Die Antworten, die die Gutachten geben, sind nicht die, die die Stadt hören will. Aber die Stadt nimmt sie trotzdem — und nennt sie dann trotzdem „nachhaltig“. Das ist die Kunst.

Foto: Symbolbild Baugebiet — Wikimedia Commons

Zum Vergleich: Die Landesgartenschau 2035 plant 83 Millionen Euro für 440.000 Besucher — auch so ein Projekt, das „nachhaltig“ und „zukunftsorientiert“ klingt, bis man die Zahlen liest. Schwerin kann Großprojekte. Nur die Wirklichkeit hält nicht mit.

Quellen: schwerin.news

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