Politik

Lenin in Schwerin: Stadt will Denkmalschutz verhindern – Juristisch aber völlig chancenlos

Lenin blickt weiter aufs Schloß. Und wird dort bald nicht mehr wegdiskutiert werden können.

Stadt stimmt gegen Denkmal – Ministerium winkt ab

Die Stadt Schwerin hat sich im April mit breiter Mehrheit gegen eine Eintragung der Lenin-Statue in die Denkmalschutzliste ausgesprochen. Man wolle nichts zu tun haben mit einem Mann, der für Tod, Elend und Kommunismus stehe, so ungefähr die Argumentation. Klingt logisch. Juristisch ist die Sache allerdings deutlich komplizierter.

Über den Denkmalstatus entscheidet nicht die Stadtvertretung, sondern das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach rein fachlichen Kriterien. Eine politische Abstimmung ist dafür nicht vorgesehen.

Denn laut Ministerium wurde die grundlegende Entscheidung über den Denkmalwert der Statue bereits 2017 getroffen. Seitdem existiert eine entsprechende Begründung. Die Entscheidung ist also quasi schon vor neun Jahren gefallen – nur wusste das offenbar niemand so richtig.

Neues Gesetz sorgt für Klarheit – unfreiwillig

Das neue Denkmalschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommerns, das Ende 2025 in Kraft getreten ist, schafft jetzt Fakten. Bis spätestens Ende 2027 müssen alle bestehenden Denkmalwertfeststellungen in eine öffentliche Landesliste überführt werden. Und da gehört die Lenin-Statue nun mal dazu – nicht weil irgendjemand das so will, sondern weil das Gesetz es so vorschreibt. (denkmalschutz)

Selbst ein Beschluss der Stadtvertretung kann daran nichts ändern. Weder Eintragungen noch Löschungen sind politische Entscheidungen. Das sagt das Ministerium, und die klingen dabei nicht sonderlich schuldbewusst.

Was bedeutet das jetzt für Schwerin?

Ganz einfach: Die Statue bleibt stehen. Punkt. Der Denkmalschutz bedeutet aber nicht, dass die Stadt nichts mehr mit dem Ding machen darf. Im Gegenteil – sie könnte jederzeit eine „neue Kontextualisierung“ vornehmen. Eine Infotafel neben der Statue, ein Geschichtspanel, eine Erklärung, warum das Ding hier steht und was das Ganze mit der DDR zu tun hatte. Möglich wäre vieles.

Kulturministerin Bettina Martin hat sich bereits mehrfach für genau solche Lösungen ausgesprochen. Unterstützung gäbe es von der Landeszentrale für politische Bildung. Es müsste also jemand nur wollen.

Tut aber offenbar niemand. Stattdessen streitet man über eine Statue, die nach juristischer Lesart bereits jetzt ein Denkmal ist – egal was der Stadtrat beschließt. Das ist, als würde man per Abstimmung versuchen, die Schwerkraft abzuschaffen.

Vielleicht sollte Schwerin einfach mal aufhören, gegen Lenin anzukämpfen, und stattdessen anfangen, die Geschichte zu erzählen, die hinter dem Mann steckt. Das wäre nicht nur juristisch sauber, sondern auch pädagogisch wertvoll.

Foto: Ferran Cornellà / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Quellen: schwerin.news, Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Europaangelegenheiten MV

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