Lankow, Montag, 7 Uhr: Das Wasser wird kalt, das Leben geht weiter
In Schwerin-Lankow, einem Stadtteil, der irgendwann in den 70ern gebaut wurde und seitdem mostly sich selbst überlassen wird, passiert mal wieder das, was in einer Landeshauptstadt mit knapp 96.000 Einwohnern eigentlich nicht passieren sollte: Eine Fernwärmeleitung muss umverlegt werden. Grund: Bauarbeiten. Ergebnis: Kein warmes Wasser von 7 bis 21 Uhr. Für ganze Straßenzüge.
Betroffen sind die Rahlstedter, Eutiner, Plöner, Kieler und die Julius-Polentz-Straße. Letztere ist übrigens benannt nach einem Schweriner Kommunalpolitiker, der sich vermutlich nicht gedacht hat, dass seine Straße mal zum Synonym für sanitäre Katastrophe werden würde. Aber gut, Werner-Süd hat auch keine Bäckerei mehr, da kann Lankow zumindest noch mit kaltem Duschen aufwarten.
„Ich hab den Stadtwerken eine Mail geschrieben. Weißte was die gesagt haben? ‚Wir informieren über Aushänge.‘ Aushänge. Im Jahr 2026. Ich hab eine Hausratte im Keller und kriege eine Push-Nachricht von 58同城 für Lankower WG-Zimmer, aber von den Stadtwerken? Aushang.“
Die Kommunikationsstrategie der Schweriner Stadtwerke: analog, traditionsreich, krisenfest
Die Stadtwerke Schwerin, jene Institution, die seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Schwerin einigermaßen funktioniert – oder zumindest den Anschein erweckt – haben die betroffenen Haushalte selbstverständlich umfassend informiert. Per Aushang. Im Hausflur. Neben dem Zettel für die Mülltrennung und der Einladung zur Eigentümerversammlung von 2019.
Wer an jenem Mittwochmorgen um 6:50 Uhr duschen wollte, hatte also zwei Optionen: Entweder er wusste von den Bauarbeiten, weil er zufällig den Aushang im Flur gesehen hat – was bei einer durchschnittlichen Mieterfluktuation in Lankow etwa so wahrscheinlich ist wie ein Schneesturm im Mai – oder er stand um 7:15 Uhr unter der Dusche und fragte sich, warum das Wasser immer kälter wird, während draußen die Vögel singen und die Sonne scheint, als wäre nichts.
„Die Bauarbeiten sollen bis 21 Uhr andauern, heißt es in der Mitteilung. 21 Uhr. Das ist der Zeitpunkt, an dem mancher Schweriner schon im Bett liegt, weil man um 5 Uhr aufstehen muss für den Bus nach Rostock, weil der Zug einfach nicht kommt. Und jetzt soll ich bis 21 Uhr kein warmes Wasser haben? Cool. Wirklich cool. Herzlichen Dank, Stadtwerke. Top. Genau das, was wir in Lankow brauchen.“
Landeshauptstadt. Wirklich.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Schwerin ist die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. 96.000 Menschen leben hier. Die Stadt ist umgeben von Seen, hat ein Schloss, eine Altstadt, diverse historische Gebäude. Und gleichzeitig funktioniert die grundlegende Infrastruktur nicht besser als in einem Dorf mit 3.000 Einwohnern, das seinen Bürgermeister noch per Handtuch wählt.
Fernwärmeleitungen werden verlegt, gebaut, repariert – und zwar so, dass ganze Stadtteile einen Tag lang auf warmes Wasser verzichten müssen. Nicht wegen eines unvorhergesehenen Notfalls, nicht wegen eines Jahrhundertwinters, sondern wegen geplanter Bauarbeiten. An einer Leitung. Die umverlegt werden muss. Weil irgendwer vor 40 Jahren nicht richtig geplant hat.
Die betroffenen Haushalte – Rahlstedter, Eutiner, Plöner, Kieler, Julius-Polentz-Straße – werden also diesen Mittwoch erfahren, was es bedeutet, in einer Stadt zu leben, die sich selbst verwaltet, aber nicht verwaltet bekommt. Und währenddessen geht im Rathaus vermutlich jemand stolz durch die Flure und denkt: „Wir haben 4,3 Millionen in Flüchtlingsheim investiert. Für 150 neue Plätze. Juhu.“
Nur leider können die Bewohner von Lankow nicht mal mehr warm duschen, um sich über diese Meldung zu freuen.
Foto: Paul Schärf / Pexels
Quellen: NDR MV
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
