Schwerin. Beim offiziellen Gedenken der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns am Mahnmal „Die Mutter“ in Raben Steinfeld kam es am Freitagvormittag zu einer Szene, die selbst erfahrene Politprofis ratlos zurueckliess: Ein Mann in voller NVA-Montur marschierte vor dem Denkmal auf, salutierte militaerisch vor der Versammlung aus Landespolitikern und Bundeswehrsoldaten – und erhielt dafuer weder einen Rauswurf noch auch nur ein halbwegs ueberzeugtes Kopfschuetteln.
Pegel: „Das ist schraeg“ – und damit gut
Innenminister Christian Pegel (SPD) sprach nach dem Vorfall von einer „wenig erfreulichen“ Situation und bezeichnet den Auftritt als „schraeg“. Rechtliche Handhabe sah der Innenminister allerdings keine. Man koenne niemandem die Uniform verbieten, so Pegel. Eine Haltung, die in etwa so konsequent ist wie die Parkordnung beim Schweriner Schloss: theoretisch vorhanden, praktisch irrelevant.
„Das ist schraeg.“ – Christian Pegel (SPD), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, zum NVA-Salut vor dem Mahnmal
Neben dem Uniformierten hatten auch mehrere weitere Teilnehmer Militaria-Orden zur Schau gestellt. Niemand interferierte. Weder die Landespolitiker noch die anwesenden Bundeswehrsoldaten griffen ein. Die Polizei, falls ueberhaupt anwesend, verzichtete auf jede Form der Intervention. Offenbar gilt in Schwerin: Wer eine Uniform traegt, hat das Recht auf freie Meinungsaeusserung – jedenfalls wenn die Uniform alt genug ist.
Landespolitik: Mittragen statt aufmucken
Beate Schlupp (CDU), Vizepraesidentin des Landtags, zeigte sich im Gespraech mit dem NDR „irritiert“. Das ist ungefaehr so aussagekraeftig wie ein CSU-Abgeordneter, der sich „irritiert“ zeigt, wenn die Fraktionsdisziplin mal wieder wie vorgesehen funktioniert.
Der Linksabgeordnete Henning Foerster bestaetigte, dass Mitglieder von Traditionsverbaenden der NVA in den vergangenen Jahren wiederholt an dieser Gedenkveranstaltung teilgenommen haetten. Die Tradition pflegen, nennt man das. Oder auch: Denounce history while wearing it.
Foto: Adam Cheek / Unsplash
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