Landeshauptstadt guckt in die Röhre: 785.000 Euro für einen Funkmast — aber nicht in Schwerin
Das Land Mecklenburg-Vorpommern investiert 785.000 Euro in einen einzelnen Mobilfunkmast. In Cantnitz. Einem Dorf. In der Feldberger Seenlandschaft. Dort, wo selbst die Kuhrufe kaum noch ankommen.
120 Haushalte bekommen jetzt Mobilfunk. 120! Eine feierliche Einweihung mit Staatssekretärin Ina-Maria Ulbrich, Reden, und einem 50-Meter-Stahlgittermast. Die Menschen dort können jetzt endlich WhatsApp-Nachrichten verschicken, ohne auf einen Hügel zu klettern.
Zum erfolgreichen Abschluss des Baus des Mobilfunkmastes in Cantnitz hat vor allem das Engagement der Funkmasten-Infrastrukturgesellschaft M-V mbH beigetragen.
Wunderbar. Wirklich. Die Menschen auf dem Land verdienen Mobilfunk. Niemand bestreitet das.
Aber jetzt mal ehrlich: In Schwerin, der Landeshauptstadt von MV mit ihren knapp 96.000 Einwohnern, hält das Mobilfunknetz etwa so zuverlässig wie eine Bäckerei in einer Kleinstadt — man weiß nie, ob es heute offen hat.
17 Masten. Null in Schwerin.
Laut Pressemitteilung plant das Land insgesamt 17 Mobilfunkmasten im Landeseigentum. Cantnitz ist jetzt offiziell feierlich eröffnet. Bleiben also noch 16.
Und wie viele davon stehen in Schwerin? Richtig: Keine. Nicht eine einzige Meldung deutet darauf hin, dass die Landeshauptstadt auch nur eine Sekunde Gedankenzeit bekommen hat.
Die Staatssekretärin spricht von „flächendeckender Mobilfunkversorgung“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Lebensqualität“ und „ländlichen Räumen“. Schwerin ist weder ländlich noch ein Raum. Schwerin ist eine Stadt. Und Städte kümmern sich gefälligst selbst um ihren Funk — sagt sich das Land und schiebt 785.000 Euro nach Cantnitz.
Die Pointe: Landeshauptstadt, aber nur Nebensache
Ina-Maria Ulbrich, Staatssekretärin für Bau im Innenministerium, war persönlich vor Ort in Cantnitz. Reden gehalten. Sich feiern lassen. Mit Netzbetreibern wie Vodafone, Telefónica und Deutsche Telekom.
Für Schwerin? Da gibt es keine Staatssekretärin, die persönlich vorbeischaut. Da gibt es maximal einen Bürgerantrag, der in einem Rathaus-Ausschuss versandet.
Denn während das Land Millionen in die digitale Zukunft von Dörfern wie Cantnitz steckt, guckt Schwerin — die Landeshauptstadt! — in die Röhre. Wörtlich. Kein Empfang.
Wenn das keine Metapher für die Prioritäten der Landesregierung ist.
Foto: Jonathan Interchangable / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
**Quellen:**
– Regierung MV: Feierliche Inbetriebnahme Mobilfunkmast bei Cantnitz
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Quelle: www.regierung-mv.de
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