Satire

Landesgartenschau 2035: 250.000 Euro für eine Studie, die noch nicht mal sagt, ob das Ding überhaupt stattfindet

Schwerin plant eine Landesgartenschau. Klingt erstmal harmlos, oder? Ist es aber nicht. Denn bevor auch nur eine einzige Blume gepflanzt wird, braucht man offenbar eine Studie. Eine Machbarkeitsstudie. Für 250.000 Euro. Für eine Veranstaltung, die frühestens 2035 stattfinden soll. In neun Jahren. Ja, neun.

250 Riesen für eine Folgenabschätzung

Der Verein „Pro Schwerin“ hat die Idee geboren, nach dem Welterbe-Deckmantel. Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) unterstützt das und will die 250.000 Euro aus dem städtischen Haushalt nehmen. Aus dem Haushalt! Für eine Studie! Für ein Event, das vielleicht in neun Jahren stattfindet — oder vielleicht auch nicht, denn im selben Jahr plant Sachsen-Anhalt eine Bundesgartenschau, was als Konkurrenz durchaus relevant sein könnte.

Was soll das werden? Das hier ist kein Berlin, wo man sich Großprojekte leisten kann, während der Senat über Radwege diskutiert. Das ist Schwerin. Hier wird jede Parkbank dreimal genehmigt. Und trotzdem sollen 250 Riesen für eine Folgenabschätzung fließen, bevor irgendein Ausschuss auch nur den Grundstückspreis abgesegnet hat. Gestern berichteten wir über die 83-Millionen-Kosten für dieselbe Veranstaltung. Die Machbarkeitsstudie kommt obendrauf.

Das Geld für die Studie muss aus dem städtischen Haushalt kommen. Wir hoffen aber auf Unterstützer.

— Bernd Nottebaum (CDU), amtierender Oberbürgermeister

Was bitte soll da erforscht werden?

Mal angenommen, man will wissen, ob eine Landesgartenschau machbar ist. Was genau soll da beforscht werden? Die Kosten werden auf mehr als 80 Millionen Euro geschätzt. Achtzig. Millionen. Euro. Für ein Gartenfest. Klar, die BUGA 2009 war erfolgreich, aber das ist fast zwanzig Jahre her, und die Schwimmenden Wiesen sind immer noch da, also was soll da schiefgehen?

Das KIW-Vorwärts-Gelände soll für Wohnungsbau erschlossen werden. Okay. Und eine Landesgartenschau als Katalysator für Städtebau. In einer Stadt, die seit Jahren an Infrastruktur spart und deren Einzelhandel stirbt. Was könnte da schiefgehen? Außer alles.

Bis Ende Juni soll die Stadtvertretung entscheiden, ob der Letter of Intent mit dem Land unterzeichnet wird. Also ob man sich grundsätzlich einigt, dass man sich vielleicht irgendwann mal einigt. Und dafür braucht es 250.000 Euro Steuerergeld. In einer Stadt mit Haushaltslage, die man nur als angespannt beschreiben kann. Nur gut, dass Schwerin keine Schulden hat. Ach so, doch? Egal.

Quellen: Schwerin-Lokal (SNO)

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