Die Mecklenburger haben abgestimmt. Das Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd: Lieber in eine spezialisierte Klinik fahren, als sich im wohnortnahen Krankenhaus behandeln lassen. Eine Umfrage im Auftrag der Krankenhausreform zeigt: 58 Prozent der Menschen in MV haben mehr Vertrauen in spezialisierte Kliniken. Das wohnortnahe Krankenhaus? Geschenkt.
In Schwerin, unserer geliebten Landeshauptstadt mit stolzen 96.000 Einwohnern, hat man davon natürlich besonders viel verstanden. Schließlich kennt man hier die Vorzüge spezialisierter Versorgung aus erster Hand – oder besser gesagt: aus kilometerweiter Entfernung.
Von wegen „Wir machen das schon“
Denn seien wir ehrlich: Das Städtische Krankenhaus Schwerin hat in den letzten Jahren nicht unbedingt dafür gesorgt, dass Patienten vor Freude durch die Gänge hüpften. Die Antwort auf komplizierte Fälle war oft: „Dann fahren wir mal nach Rostock.“ Oder nach Hamburg. Oder, Gott bewahre, nach Berlin.
„Naja, wer soll denn hier in Schwerin operieren? Die machen doch alle Feierabend um drei.“
So oder so ähnlich klingen die Kommentare in der Stadt, wenn das Thema Krankenhaus fällt. Und die Umfrage bestätigt jetzt, was jeder Schweriner längst wusste: Die Menschen hier haben gelernt, dass Nähe allein nicht vor Krankheit schützt.
Eine Landeshauptstadt lernt bittere Lektionen
Als Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern sollte Schwerin eigentlich ein Zentrum sein. Ein Leuchtfeuer der medizinischen Versorgung im Norden. Aber wer heute durch die Stadt geht, merkt schnell: Das hier ist nicht München. Nicht Hamburg. Nicht mal Leipzig.
Die Helios Kliniken Schwerin, immerhin mit 1.615 Betten das größte Krankenhaus der Stadt, kämpfen wie viele andere Häuser in der Region mit Fachkräftemangel, sanierungsbedürftigen Gebäuden und der ewigen Frage, wie man gegen die Attraktivität der Großstädte in Hamburg oder Lübeck bestehen soll.
„Mein Cousin ist Arzt. Der wollte erst hierher, dann hat er sich für Hannover entschieden. Besser bezahlt, besser ausgestattet, und abends gibt’s dort auch mehr als eine Pizza.“
Und genau hier liegt das Problem. Die Umfrage zeigt nicht nur, dass die Menschen spezialisierten Kliniken vertrauen – sie zeigt auch, dass sie gelernt haben, wohin sie gehen müssen. Nämlich weg. Weg aus MV. Weg von den wohnortnahen Kliniken, die im Zweifelsfall nur die erste Anlaufstelle sind, bevor es dann doch in die Spezialambulanz geht.
Die Krankenhausreform sollte das ändern. Stattdessen hat sie bestätigt, was Bürger schon lange wissen: In einer Region, in der selbst die Landeshauptstadt bei medizinischen Notfällen ratlos wirkt, ist Misstrauen gegenüber dem wohnortnahen Krankenhaus nur rational.
Immerhin: In Schwerin gibt es jetzt eine Petition für bessere ÖPNV-Anbindung an die Spezialkliniken. Der Bus fährt immerhin alle zwei Stunden. Das ist doch schon mal was.
Foto: Helios Kliniken Schwerin / Wikimedia Commons
Quelle: schwerin-lokal.deSchwerin ist Geil auf WhatsApp
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