Gesellschaft

Kostenlose Naturheilpraxis im Ehrenamt: Wenn Heilpraktiker den Hausarzt ersetzen müssen

Schwerin hat, mal wieder, ein Angebot, das zeigt, wie man es in dieser Stadt halt so macht: Kein Geld, keine Ahnung, aber irgendeine Lösung muss her. Diesmal geht es um kostenlose medizinische Hilfe. Für Bedürftige. In einem Stadtteilmanagement. Von Heilpraktikern. Im Ehrenamt.

Die Geschichte: In den Räumen eines Stadtteilmanagements in Schwerin gibt es ab sofort ein Angebot von Heilpraktikern, das Bedürftigen helfen soll. Kostenlos. Ehrenamtlich. Gut gemeint. Und wahrscheinlich auch gut gemeint.

Wenn der Staat aufhört, fängt das Ehrenamt an

Das ist natürlich löblich. Und es ist auch symptomatisch. Denn wenn es in Schwerin irgendwo hapert — und es hapert ja öfter — dann ist die erste Lösung nicht selten: Irgendjemand, der es eben macht. Ohne Bezahlung. Ohne Struktur. Ohne Sicherheit. Aber immerhin: Irgendjemand macht es.

„Mein Hausarzt hat aufgehört. Der neue nimmt keine neuen Patienten. Also bin ich hierhergekommen. Eine Heilpraktikerin hat mir Globuli gegeben. Gegen alles. Ich weiß nicht genau, wogegen, aber sie war sehr freundlich.“

— Monika S., 61, Schwerin

Das Problem ist nur: Wenn Heilpraktiker einspringen, wo Ärzte aufhören, dann ist das nicht nur „auch eine Lösung“. Dann ist das ein Systemversagen, das man sich als Gesellschaft nicht eingestehen will. Denn was sagt es über eine Stadt, wenn Menschen im Stadtteilmanagement landen, weil sie keinen normalen Arzt mehr kriegen?

Schwerin und die Spirale

Die Antwort ist: Es sagt viel. Über eine Stadt, die Ärzte nicht halten kann. Die Fachärzte abbaut. Die Strukturen schrumpft. Und dann, wenn es eng wird, sagt: Na ja, dann machen es halt ein paar Ehrenamtliche. Gut, die kennen sich vielleicht nicht so aus. Und die können auch keine richtige Medizin machen. Aber sie sind da. Und das zählt.

Und irgendwie ist das dann auch wieder typisch Schwerin. Das Schloss steht leer, aber das Stadtmarketing bucht Prominente für Veranstaltungen. Die Innenstadt stirbt, aber man eröffnet einen neuen Hotspot im Hinterhof. Die Stadtteilmanagerin macht ehrenamtlich was sie kann, weil das Geld fehlt. Und alle sind zufrieden. Oder zumindest: Man tut so, als wäre man zufrieden.

Das Angebot ist gut gemeint. Die Menschen, die es stemmen, verdienen Respekt. Aber die Stadt, die es nötig hat, verdient Kritik. Und die sollte man auch aussprechen. Damit anfangen.

Foto: THLT LCX / Unsplash

Quelle: NDR MV

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