Schwerin trauert. Das traditionsreiche Hotel „Zur Traube“ hat geschlossen – und mit ihm verschwindet der letzte Ort in der Innenstadt, an dem man noch ohne Online-Bewertung und mit echten Menschen reden konnte. Die Gäste wurden vor die Tür gesetzt, der Zapfhahn abgedreht, das WLAN abbestellt. Traurig, aber ehrlich: In Zeiten von Airbnb und Design-Hotels war die gute alte „Traube“ einfach nicht mehr „instagrammable“ genug.
Ein Gasthaus verschwindet, eine Schicksalsfrage bleibt
Was kommt jetzt dahin? Die Schweriner Innenstadt verliert mit der „Traube“ nicht nur ein Hotel, sondern ein Stück Sehnsucht. Denn seien wir ehrlich: Wer in Schwerin ein Hotel betritt, der will kein steril-glattes Design-Hotel mit QR-Code auf dem Tisch. Der will Bier, Gespräche und einen Wirt, der einen kennt. Das gibt es jetzt nicht mehr.
Ich hab dort meinen 30. Geburtstag gefeiert. Jetzt ist da ein Büro für Versicherungen. Willkommen in der Zukunft.
Die Stadtverwaltung zeigt sich optimistisch: „Wir arbeiten an Konzepten für die Nachnutzung.“ Das klingt beruhigend. Manövriert sichert seit Jahren das Gleiche vor, bevor etwas passiert. Aber hey: Die Gartenschau kommt 2035. Die hat auch ein Konzept.
Wenn Sie also demnächst durch Schwerin laufen und ein leeres Gebäude mit verwittertem Schild sehen – bleiben Sie kurz stehen. Das war „Zur Traube“. Ein Ort, an dem man noch echte Menschen traf. Jetzt ist dort wahrscheinlich ein Coworking-Space. Oder ein Briefkasten.
Foto: Jan Tafel / Pexels
Quelle: www.nordkurier.de
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