Gesellschaft

Heldentat in der Landeshauptstadt: Schwerin befreit 61 Spielplätze und Strand von Sand

Schwerin. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern hat mal wieder geliefert. Wie der Nordkurier berichtet, wurden im Rahmen einer Sandreinigung sage und schreibe 61 Spielplätze und ein Strand von lästigem Sand befreit. Eine Mammutaufgabe, die das Amt für Stadtgrün offenbar wochenlang beschäftigt hat. Oder zumindest einen Vormittag lang.

Wenn der Sand das größte Problem ist

Man muss sich das mal vorstellen: 61 Spielplätze. Das sind mehr Spielplätze, als Schwerin offizielle Bushaltestellen mit funktionierenden Anzeigetafeln hat. Und trotzdem fand sich genug Personal und Budget, um jeden einzelnen Sandkorn an seinem Platz zu hinterfragen und gegebenenfalls zu entfernen. Das ist kein Hamsterrad – das ist organisierte Ehrfurcht vor der Pedanterie.

Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, weil er noch auf einen Bescheid vom Jobcenter wartet, zeigte sich gegenüber unserem Reporter dann auch entsprechend bewegt: „Ich habe ja gar nicht gewusst, dass Schwerin Strand hat. Geschweige denn 61 Spielplätze. Aber wenn die jetzt alle sauber sind – Hut ab.“ Eine Meinung, die in dieser Stadt eine Seltenheit ist. Neben funktionierenden Ampeln.

„Die Kinder können jetzt wieder gefahrlos im Sand spielen. Auf dem defekten Spielgerät daneben zwar nicht, aber der Sand war ja auch wirklich ein Problem.“

Landeshauptstadt. Aber Hallo?

Schwerin hat rund 96.000 Einwohner. Davon verlassen pro Jahr etwa so viele Menschen die Stadt, wie in einen durchschnittlichen Reisebus passen. Die Infrastruktur ist marode, die Innenstadt sieht aus, als hätte zuletzt in den 1990ern jemand professionell investiert, und die nächste ICE-Anbindung ist eher eine theoretische als eine praktische Möglichkeit. Apropos Theorie: Die Stadtverwaltung verspricht seit gefühlten Regierungsperioden eine Sanierung des maroden Kanalnetzes. Aber hey – der Strand. Der Strand wurde jetzt gesäubert.

Die Sandreinigung ist nicht irgendeine Aufgabe. Nein. Sie ist ein symbolischer Akt. Er sagt: Seht her, wir kümmern uns. Um die kleinen Dinge. Um Sand. Der auf Spielplätzen liegt. Wo Kinder spielen. Die Zukunft dieser Stadt sind. Wachsen. Irgendwann vielleicht abwandern, wie ihre Eltern. Aber erstmal: Sand.

Das Positive an der Geschichte: Immerhin gibt es in Schwerin noch Spielplätze, die so wenig besucht werden, dass man sich um die Sandqualität Gedanken machen kann. Das ist in anderen Städten schon längst keine Option mehr – da stehen auf den Spielplätzen bereits Wohnungen. Oder Brachen. Oder beides.

Wir gratulieren der Stadtverwaltung zu diesem Erfolg und freuen uns auf die nächste Meldung über eine funktionierende Straßenlaterne im Stadtzentrum. Es ist ja nicht so, als hätten wir nichts zu berichten.

Foto: Peter Dyllong / Pexels

Quelle: www.nordkurier.de

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