Foto: Brett Sayles / Pexels
Quelle: SN-Aktuell
Schwerin. Die WEMACOM, jenes Energie-Unternehmen aus dem Norden, das in Mecklenburg-Vorpommern für das Glasfaser-Netz verantwortlich zeichnet, hat verkündet: Künftig können auch Kundinnen und Kunden der Deutschen Telekom das geförderte Netz nutzen. Man sei „nicht sonderlich überrascht“, kommentierte die Telekom die Kooperation. Man wolle ja „möglichst viele Menschen erreichen“.
Der „Meilenstein“, wie die WEMACOM die Vereinbarung nennt, wurde am 27. Mai 2026 auf der Digitalmesse NØRD in Rostock verkündet. Für Schwerin, die Landeshauptstadt von etwa 96.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, ist das natürlich eine Meldung von erheblicher Tragweite.
Denn WEMACOM durfte vorher nicht
Ernsthaft: Das ist die news? Dass jetzt auch Telekom-Kunden über ein Netz Glasfaser bekommen können, das mit Bundesförderung gebaut wurde? Klingt erstmal gut. Ist gut. War ja auch das Geschäftsmodell.
Dass ausgerechnet die Landeshauptstadt Schwerin diesen „Meilenstein“ als Pressemitteilung wert ist, sagt dann allerdings vieles über den Anspruch. Oder den Mangel an Angebot. In Hamburg, Berlin oder München hätte niemand eine Pressemitteilung darüber verschickt, dass ein weiterer Anbieter auf bestehende Infrastruktur zugreifen darf.
„Na, das ist doch mal was. Wenigstens wissen wir jetzt, dass es das Netz gibt.“
So ungefähr dürfte die Reaktion eines Schweriner Bürgers klingen, der seit Jahren auf schnelles Internet wartet. Und der sich jetzt fragt: War das nicht irgendwie der Plan? Breitbandförderung heißt ja nicht umsonst Fördern. Dass das Netz offen sein sollte, stand im Programm.
Was auf der NØRD in Rostock als zukunftsweisende Kooperation verkauft wurde, ist im Grunde eine technische Formalität: Open Access. Netze, die mit Steuergeld gebaut werden, müssen anderen Anbietern zugänglich sein. Das ist kein „Meilenstein“. Das ist das Mindeste.
Aber „Meilenstein“ klingt besser als „Bürokratie-Hürde endlich genommen“
Die Pressemitteilung lässt das auch nicht unerwähnt: Die langfristige Open-Access-Kooperation auf den Glasfasernetzen des Bundesförderprogramms wurde auf der Messe besiegelt. Man sei stolz. Alle seien happy. Kunden könnten wählen.
Wählen können sie ja jetzt tatsächlich. Die Telekom ist dabei. WEMAG-Angebote waren es schon. Und vielleicht kommt ja bald auch 1&1. Und O2. Und alle anderen. Das wäre dann der echte Meilenstein: Wenn Schwerin nicht nur theoretisch Gigabit haben könnte, sondern auch praktisch. Und bezahlbar.
„Die Telekom ist jetzt auch dabei? Das ist ja fast so selten wie Schnee an Weihnachten.“
Die Meldung ist trotzdem gut. Nur der Ton nervt. „Meilenstein“ kann man sich bei Neubau einer Schüssel, bei einem neuen Krankenhaus oder bei einer funktionierenden Straßenbahn aufheben. Nicht beim Vertragsabschluss zwischen zwei Konzernen, die mit Steuergeld gebautes Netz gemeinsam vermarkten.
Schwerin. Landeshauptstadt. Meilenstein.
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