Schwerin. In der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ist ein neues Projekt gestartet, das zeigt, wie weitnorddeutscher Erfindungsreichtum und Veraenderungsmüdigkeit reichen können: Senioren gärtnern jetzt im Stehen. Ja, richtig gehoert. Stehend. Nicht hockend, nicht bückend – stehend.
Die Erfindung, die keiner brauchte
Was wie ein Witz klingt, ist offenbar ernst gemeint. Das Projekt richtet sich an Senioren, die aus gesundheitlichen Gruenden nicht mehr tiefer liegen können oder wollen. Also hat jemand die Lösung gefunden: Steh-Gärten. Erhöhte Beete, in denen man im Stehen arbeiten kann. Innovation!
Wir wollen, dass auch Menschen mit Einschränkungen die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen.
Dieser Satz kommt in aehlichen Projekten immer vor. Und klingt jedes Mal herzerweichend. Und ist trotzdem ein bisschen absurd, wenn man drueber nachdenkt. Wann hat Gärtnern aufgehört, barrierefrei zu sein? Seit wann braucht man fuer das Glueck des Gartens eine Podesthöhe?
Schwerin: Trendsetter oder Spätzünder?
Man könnte meinen, das sei ein ueberregionaler Trend. Aber nein: Das Projekt kommt aus Schwerin. Ausgerechnet dort, wo die Bevölkerung im Durchschnitt ueberdurchschnittlich alt ist. Wo die Geburtenrate auf historischen Tiefststand sinkt. Wo also in 20 Jahren niemand mehr im Stehen gärtnern braucht, weil keiner mehr da ist.
Aber vielleicht ist das ja auch der Plan. Wenn keiner mehr da ist, muss auch keiner mehrhuepfen. Und die Steh-Gärten stehen dann als Denkmal fuer eine Stadt, die es verstand, fuer alles einen Lösung zu finden – nur nicht fuer das Grundproblem.
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