Gesellschaft

Skandal-Oper „Sancta“ kommt nach Schwerin: Jetzt wird auch die Landeshauptstadt provoziert

Schwerin. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern empfängt eine Frau, die für Empörung sorgt, wo sie auftaucht. Florentina Holzinger, Performancekünstlerin aus Wien, inszeniert ihre umstrittene Oper „Sancta“ in Schwerin. Das Werk handelt von Frau, Sex und katholischer Kirche – und hat europaweit für Kontroversen gesorgt. Jetzt also kommt sie hierher. Nach Schwerin. In die Stadt, die außer ihrem Schloss und gelegentlichen Diskussionen über Parkplätze kaum jemand kennt.

Was erwartet die Menschen in der 96.000-Einwohner-Stadt? Eine Provokation, wie man sie aus großen Metropolen kennt. Oder eine x-beliebige Kunstveranstaltung, die in der Lokalzeitung unter „Sonstiges“ verbucht wird? Die Grenze ist schmal in einer Stadt, die sich über jedes kulturelle Highlight freut, solange es nicht zu avantgardistisch wird.

Heilige? Oder einfach nur radikal?

Florentina Holzinger hat mit ihrer Arbeit eine Riege von Kritikern und Bewunderern gleichermaßen. Ihre Kunst provoziert, stellt Tabus in Frage, zeigt, was im Verborgenen liegt. Die einen nennen das Kunst, die anderen pietätlos. In einer Stadt wie Schwerin, wo das größte Kulturereignis des Jahres wahrscheinlich der Weihnachtsmarkt ist, könnte das entweder ein Quantensprung werden – oder eine Pleite.

Ich hab ja schon vieles erlebt hier in Schwerin, aber dass eine Frau aus Wien kommt und eine Oper über Sex und Religion macht – das toppt dann doch alles. Wenn die wenigstens gute Musik macht.

– Schweriner Kulturinteressierte Helga T., 61

Die ARD hat bereits über die Premiere berichtet. Das ist für Schwerin schon fast eine Ehre – normalerweise schaffen es die Schweriner nur in die Tagesschau, wenn es um Arbeitslosenzahlen oder Abwanderung geht. Jetzt also Kunst. Florentina Holzinger. „Sancta“. Und eine Stadt, die sich fragt, was da auf sie zukommt.

Man darf gespannt sein, ob die Premiere Funken schlägt oder ob Schwerin bleibt, was es immer war: eine Stadt, in der man über Kunst redet, weil man sie nicht versteht – und über nichts anderes mehr spricht, wenn sie vorbei ist.

Foto: Paul Goyette / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0 Quelle: ARD-Mediathek / NDR

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