Gesellschaft

Erst blockiert, jetzt zurückkaufen? Schwerins CDU hat ein Diagnoseproblem

Schwerin. Die CDU-Fraktion will prüfen lassen, ob die Stadt Waldorf-Liegenschaften am Ostorfer Hals zurückkaufen kann. Die Ringerhalle, einst Teil des traurigen Paulshöhe-Dramas, soll wieder als Sporthalle her. Klingt nach Lösung. Ist aber vor allem eine Blamage in Zeitlupe.

Das Perpetuum Mobile der Schweriner Kommunalpolitik

Denn die Geschichte kennt jeder, der hier länger als eine Wahlperiode wohnt: Erst wurde ein Sportstandort geschlossen. Dann wurden Rückkauf- und Ankaufsmodelle für die Paulshöhe diskutiert — und von jener politischen Mehrheit abgelehnt, die heute den Rückkauf der Waldorf-Liegenschaften fordert. Die Waldorfschule baut inzwischen auf dem Dreesch, nicht auf der Paulshöhe. Und plötzlich, wie von Geisterhand, ist ein Rückkauf der alten Liegenschaften wieder möglich und nötig.

Die CDU argumentiert: Die Halle solle weiter als Sporthalle genutzt werden. Das sei im öffentlichen Interesse. Richtig. Nur: Dasselbe öffentliche Interesse galt vor fünf Jahren auch für die Paulshöhe. Damals hieß es: zu teuer, zu kompliziert, kein Bedarf. Heute, wo die Fläche brach liegt und kein Mensch mehr hinkommt, spricht plötzlich niemand mehr von Bedarf — sondern nur noch von Rückkauf.

Erst blockieren, was sinnvoll wäre. Dann, Jahre später, zurückkaufen, was man selbst verbummelt hat. Das ist nicht Politik. Das ist Verwahrlosung mit Zeitstempel.

Wer verstehen will, wie Schwerin mit Grundstücken, Sport und Kommunalpolitik umgeht, muss nur die Geschichte der Landesgartenschau 2035 lesen. Dort plant die Stadt 83 Millionen Euro für 440.000 Besucher — ohne zu wissen, ob und wann das Ding stattfindet. Zwei Artikel, gleiche Stadt, gleiches Problem: Erst passiert nichts, dann wird teuer eingekauft, was man selbst verbockt hat.

Die richtige Frage kommt nicht

Die CDU-Fraktion will den Oberbürgermeister beauftragen, bis November 2026 zu prüfen. Das ist ein Prüfauftrag, kein Beschluss. In Schwerin heißt „bis November prüfen“ in etwa so viel wie „im nächsten Ausschuss nochmal drüber reden und dann den TOP vertagen“. Die echte Frage — soll die Paulshöhe endlich als das entwickelt werden, was sie ist: eine Stadtwunde mitten in der Stadt — kommt in dem Antrag nicht vor. Stattdessen wird am Rand operiert, während das Zentrum fault.

Wenn die Nutzung einer ehemaligen Sporthalle heute wieder im öffentlichen Interesse liegt, warum galt das nicht auch für die Paulshöhe selbst? Warum wurde ein Ankauf im Kontext der Paulshöhe abgelehnt? Und vor allem: Welche Kosten soll die Stadt jetzt für einen Rückkauf tragen, den sie hätte vermeiden können, wenn man damals nicht lieber den eigenen Schatten gefürchtet hätte als Entscheidungen zu treffen?

Solange diese Fragen offen sind, ist der Antrag kein Prüfauftrag. Er ist ein Schuldeingeständnis in drei Buchstaben: CDU. Und eine Warnung, was passiert, wenn man in dieser Stadt zu lange wartet, bis someone endlich entscheidet.

Foto: Schweriner Schloss — Wikimedia Commons (Luftaufnahme)

Quellen: schwerin.news

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