Gesellschaft

Butter-Limit im Supermarkt: Der Irrsinn der künstlichen Knappheit

Zwischen Milch und Käse lagern sie wie kleine Goldbarren im Kühlregal: Butterpakete. Sorgfältig in glänzendes Papier gehüllt, als hätte man ihrem Status über Nacht den eines Luxusguts verliehen. Davor ein handgeschriebener Zettel: „Nur 4 mal“. Eine strikte Limitierung, die wirkt, als müsste man hier nicht einkaufen, sondern Zuteilung beantragen.

In Mecklenburg-Vorpommern, dieser Landschaft aus Weite, Küste und dem einen See, den jeder kennt, der mal in der Gegend war, ist der Butterpreis offenbar ein derartig kritisches Gut, dass der Einzelhandel zur handwritten Notiz greifen muss. Nicht digital. Nicht professionell. Einfach ein Zettel. Handschriftlich. Mit der Hand, die dereinst einen Stift halten konnte.

Die Großzügigkeit des Handels

Milch literweise? Kein Problem! Käse kiloweise? Bitte schön, greifen Sie zu! Doch bei der Butter endet die Großzügigkeit des Handels abrupt. Als wäre ausgerechnet das gelbe Stück Fett der neuralgische Punkt der Versorgungskette. Dabei ist es doch die gleiche Logik des Marktes, die sonst jeden Sonderpreis feiert und den Griff ins Regal beinahe sportlich belohnt: Punkte, Rabatte, „Kaufen Sie zwei, bekommen Sie einen dritten geschenkt“.

„Ich wollte mir einen Vorrat anlegen. Fünf Butter. Geht nicht. Ich habe dann vier genommen und bin woanders hingegangen für die fünfte. Und dann hat der Aldi auch nochLimit. Da bin ich dann zum Edeka. Und der hatte auch Limit. Also habe ich einfach Butter für die ganze Nachbarschaft eingekauft. Wir teilen uns das jetzt.“

— Jürgen P., 58, Schwerin

Warum Tiefpreisaktionen den Irrsinn nur verstärken

Würde man diese absurden Tiefpreis-Aktionen einfach lassen und die Dinge für ihren echten Wert verkaufen, müsste man auch keine handgeschriebenen Bremszettel zwischen die Butterpäckchen klemmen. Aber nein. Erst wird mit dem Niedrigpreis gelockt. Dann wird begrenzt. Das Ergebnis ist ein Theater der Knappheit, das kein Mensch braucht. Und trotzdem steht man im Supermarkt und kommt sich vor wie in einer Planwirtschaft.

Der deutsche Reflex zwischen Sparsamkeit und Vorratshaltung schlägt zuverlässig zu. Wer clever ist, findet Wege um die Grenze herum: ein zweiter Gang, ein erneuter Einkauf, ein getrennter Kassenbon. Oder, wie Jürgen: Die Nachbarschaft organisieren. Man hilft sich eben. Auch das ist MV. Oder zumindest das MV, das man kennt.

Foto: Margaret Neuhaus / Unsplash

Quelle: Nordkurier

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