Politik

Ballettgala in Schwerin wird zur politischen Botschaft: Theater verteilt Flyer gegen AfD

Schwerin. Landeshauptstadt. Rund 96.000 Einwohner. Ein Schloss. Ein See. Und jetzt offenbar auch: ein politisches Manifest am Ballettabend.

Wenn die Staatskapelle Kontrabass spielt

Das Mecklenburgische Staatstheater hat bei einer Ballettgala einen Flyer verteilt. Nicht etwa Werbung für die nächste Vorstellung oder den Souvenirladen. Nein. Politische Statements. Konkret: Warnungen vor der AfD. Und zwar an alle 7.500 Besucher.

Das Theaterzelt am Küchengarten war ausverkauft. Die Gala „Connexion #5″ begeisterte das Publikum. Und dann kam der Flyer. Zwischen den Pizzicato-Noten und den Entrechats: Warnungen vor „völkischen Ideologien“ und Forderungen nach einer „patriotischen Kulturpolitik“.

„An unserem Haus arbeiten Menschen aus 22 Nationen, die sich natürlich nicht wohlfühlen, wenn sie mit Schlagworten wie Remigration konfrontiert werden“, erklärt Generalintendant Hans-Georg Wegner. 22 Nationen! In Schwerin! Die Stadt hat kaum genug Einwohner für eine anständige Wahlparty, aber offenbar genug kulturelle Vielfalt für eine UN-Generaldebatte.

Der Countdown läuft

Die Landtagswahl in MV ist am 20. September. In Umfragen lag die AfD Anfang Mai bei 41 Prozent. Das ist keine Randerscheinung mehr — das ist ein Erdrutsch. Und die Kulturszene in Sachsen-Anhalt hat bereits erfahren, was das konkret bedeutet: Kulturförderung an eine „nationale Identitätsbildung“ knüpfen. Vereine müssen ein „glaubhaftes Bekenntnis“ zu einer „patriotischen Grundhaltung“ abgeben.

Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Hans-Thomas Tillschneider, sagt, man werde nicht in die Kunstfreiheit eingreifen. Man werde nur „genau überlegen“, was noch gefördert wird. Wow. Was für eine Beruhigung. Die AfD wird nicht die Kunst verbieten. Sie wird nur das Geld verbieten. Beruhigend.

Eine Schweriner Theaterbesucherin, die ungenannt bleiben möchte (verständlich), kommentiert: „Also ich bin ja eher wegen des Balletts hier. Aber wenn die AfD kommt, müssen die dann auch tanzen? Oder dürfen die nur noch Walzer? Weil das wäre ja auch eine Einschränkung.“

Kunst und Kasse

Die Freiheit der Kunst — wie Artikel 5 GG sie nennt — ist hier offenbar nicht nur eine abstrakte Frage. Sondern eine ganz konkrete: Wird das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin nächstes Jahr noch genug Geld bekommen, um mehr als zwanzig nationale Schauspieler zu bezahlen? Oder reicht es nur noch für eine Produktion pro Spielzeit?

Die Antwort wird am 20. September gewählt. Bis dahin verteilt man Flyer. Und hofft, dass die Schweriner nicht nur wegen des Balletts kommen.

Oder wie es Cornelius Dohna sagt, Kontrabass-Spieler und Mit-Autor des Flyers: „Wir hoffen, dass wir mit dem Flyer Leute erreichen, die noch nicht sicher sind, wo sie bei der Landtagswahl ihr Kreuzchen setzen werden.“

Schwerin. Landeshauptstadt. Hier entscheidet sich vielleicht, ob die Kultur ein Auslaufmodell wird.

Quellen: Nordkurier: Theater sorgt sich um Freiheit der Kunst

Foto: Alari Tammsalu / Pexels

Quelle: Nordkurier Schwerin

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