Schwerin. Die Petermännchen-Bahn, Schwerins einzige Möglichkeit, sich auf Rädern durch die Innenstadt zu bewegen, ohne sich venösen Thrombosen in den Füßen zuzuziehen, hat am Mittwochvormittag eine Notbremsung hinlegen müssen. Grund: Eine 27-jährige Autofahrerin missachtete die Vorfahrt des historischen Gefährts in der Gaußstraße.
Das Ergebnis: Acht Fahrgäste erlitten leichte Verletzungen, wurden vor Ort medizinisch versorgt und erhielten anschließend einen Pflegebonus in Höhe von null Euro. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung infolge eines Verkehrsunfalls — was zeigt, dass man in Schwerin selbst bei Schadensereignissen anständig ermittelt.
Eine Stadt lernt, was „Vorfahrt“ bedeutet
Die Petermännchen-Bahn, benannt nach dem legendären Pusterogger und Wahrzeichen der Stadt, ist seit Jahrzehnten ein Fixed Gear unter den Nahverkehrsmitteln: langsam, ungebremst und völlig abhängig von der Gnade der anderen Verkehrsteilnehmer. Dass ausgerechnet eine 27-Jährige die Vorfahrt missachtete, zeigt einmal mehr, dass jüngere Generationen die Regeln des Zusammenlebens in einer Stadt mit vier Straßenbahnlinien nicht mehr kennen.
„Das kann doch nicht wahr sein“, kommentierte ein Anwohner die Situation. „Hier fahren die Bahnen seit 40 Jahren dieselbe Strecke, und die Autofahrer wissen immer noch nicht, wer Vorfahrt hat.“ Der Mann wurde nicht namentlich genannt, was wahrscheinlich daran lag, dass er am selben Tag noch selbst eine Vorfahrt missachtet hatte.
Eine Notbremsung ist keine große Sache. Die Petermännchen-Bahn bremst alle paar hundert Meter, einfach weil sie so langsam ist, dass man sonst rückwärts fahren würde.
— Stadtsprecher Helmut Grützeck am Mittwochnachmittag
Die Polizei hat gegen die 27-jährige Fahrerin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Experten vermuten, dass es sich um einen Einzelfall handelt — auch wenn Zeugen berichten, dass die Vorfahrt der Petermännchen-Bahn in der Gaußstraße seit gefühlt Jahrzehnten ein Problem darstellt. Die Stadt Schwerin selbst hat sich bisher nicht zu den Vorfahrtsregeln in der Gaußstraße geäußert.
Für Schwerin ist der Vorfall bezeichnend: Die Stadt hat keine ICE-Anbindung, keine Straßenbahnlinien außer den vier NVS-Linien, und auch keine geregelte Vorfahrt in der Gaußstraße. Das einzige, was die Stadt hat, ist eine intakte historische Bahn, die Touristen durch die Stadt karrt — und selbst vor der simplesten Aufgabe im Straßenverkehr nicht gefeit ist.
Fazit: Acht Verletzte, eine Ermittlung, null Konsequenzen für die Infrastruktur. Schwerin bleibt, was es ist: Eine Stadt, in der man besser zu Fuß geht. Oder mit dem Rad. Oder gar nicht erst herkommt.
Foto: Blackout_Photography / Pixabay Quelle: NDR Mecklenburg-VorpommernSchwerin ist Geil auf WhatsApp
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